Mehr Unternehmensgründungen in Rheinland-Pfalz
Ein Unternehmen gründen, selbstständig sein – dafür braucht es Mut, eine gute Idee und ausreichend Startkapital. Doch trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten steigt aktuell die Zahl der Unternehmensgründungen in Rheinland-Pfalz. Warum das so ist und an welcher Stelle es noch Erleichterungen braucht, sehen wir gleich. Zunächst sind wir bei einer jungen Frau, die seit wenigen Monaten Unternehmerin ist.
Laura Schlösser, Gründerin
„Es ist total surreal, die eigenen Sachen in der Hand zu halten und zu wissen, das ist jetzt unser Produkt. Das haben wir gemacht. Also schon cool.“
Wir sind bei Laura Schlösser im rheinhessischen Ingelheim. Im Esszimmer ihrer Mama, das die 25-Jährige als Verpackungsstation und Arbeitszimmer nutzt. Zusammen mit einer guten Freundin hat sie ein Start-up gegründet, das Naturkosmetik auf Basis von Algen verkauft. Gründen, einen Businessplan erstellen, all das ist Thema im BWL-Studium, in dem sich die Freundinnen kennenlernen.
Laura Schlösser, Gründerin
„Und letztes Jahr war es dann soweit, dass wir gesagt haben, wollen wir es einfach probieren? Und dann, joa, haben wir es einfach probiert, haben Produkte ausgesucht, haben uns mit der Firma in Verbindung gesetzt.“
Laura und Luisa liegen sozusagen im Trend. Die Gründungslandschaft in Rheinland-Pfalz wird weiblicher und internationaler. Das geht aus dem aktuellen Gründungsreport der Industrie- und Handelskammern hervor.
Die Zahl der jährlichen Unternehmensgründungen ist in Rheinland-Pfalz ist zum sechsten Mal in Folge gestiegen. Und das, obwohl die Wirtschaft nun schon seit drei Jahren nicht wächst. Woran liegt das?
Karina Szwede, Geschäftsführerin IHK Rheinhessen
„In Zeiten von Vollbeschäftigung sehen wir natürlich Gründungszahlen, die eher nicht so erfreulich sind. In Zeiten von wirtschaftlichen Umbrüchen oder Veränderungen, wie wir sie zurzeit haben, nämlich Transformationsprozesse überall, sehen wir eben sehr stark, dass die Selbstständigkeit wieder mehr in den Fokus kommt.“
Der Bericht zeigt außerdem: Als größte Hürde empfinden potentielle Gründer die überbordende Bürokratie.
Arne Rössel, Geschäftsführer IHK Koblenz
„Das fängt bei der Gewerbemeldung an, die in der Regel nicht online erfolgen kann. Ich habe sehr hohes Kapital in der Regel zu hinterlegen. Wenn ich eine GmbH gründe, sind das 25.000 Euro. Wir haben heute gehört, in Singapur kann man mit einem Dollar anfangen. Also da ist noch ein bisschen Luft nach oben.“
Diese Probleme kennt auch die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt.
Daniela Schmitt (FDP), Wirtschaftsministerin RLP
„Wir müssen schauen, dass wir mehr Kapital auch zu den Gründern kommt. Privates Kapital, neben der klassischen Bankfinanzierung. Das ist mir ganz ganz wichtig. Ansonsten auch das Thema Kooperation. Wie können wir Start-ups mit etablierten Mittelständlern auch zusammenbringen.“
Laura und Louisa hätten den Schritt in die Selbstständigkeit ohne Fachwissen und Unterstützung ihrer Familien eher nicht gewagt. Mittlerweile erhalten sie ein Stipendium vom Land. Ein Jahr lang 2.000 Euro pro Monat. Und was sind die nächsten Schritte?
Laura Schlösser, Gründerin
„Wir haben natürlich schon einen Plan, welche Produkte als nächstes auf den Markt kommen sollen. Wir würden da aber auch gerne unsere Community mit einbeziehen. Wir machen ja sehr viel auf Instagram und TikTok. Ja und natürlich perspektivisch, vielleicht in einem Jahr, ein eigenes Büro zu haben, wäre natürlich super cool. Mal schauen, wie der Weg so geht.“


