Kein Backpulver im Weinberg
Natrium-Hydrogen-Carbonat, das klingt kompliziert, doch wir kennen es alle. Besser bekannt ist es nämlich als Backpulver – und das hilft nicht nur in der Küche, auch viele Winzer setzen es seit Jahren zur Bekämpfung der Pilzkrankheit „Echter Mehltau“ ein. Aber nun gibt es eine neue Richtlinie der EU, die genau das verbietet. Ein echter Aufreger im Wingert – so auch bei Winzer Simon Beiser aus Vendersheim.
Seit über 50 Jahren bauen die Beisers hier ihre Trauben an. Vom rheinhessischen Vendersheim bis an den Binger Rochusberg. Und seit zig Jahren setzt der Familienbetrieb auf Backpulver als Bio-Mittel gegen den falschen Mehltau um die Ernte zu schützen.
Doch jetzt sagt die EU: „Backpulver verboten!“ Und das, obwohl es umweltfreundlich und effektiv ist. Stattdessen sollen die Winzer jetzt ein zertifiziertes Produkt namens NatriSan verwenden.
Der Clou: beides enthält genau denselben Wirkstoff, nämlich Natriumhydrogencarbonat!
Simon Beiser, Winzer aus Vendersheim
„Ja, in NatriSan ist Backpulver drin. Nichts mehr und nichts weniger.“
Okay, dann benutzt man halt das. Der Haken an der Sache – NatriSan kostet mehr als das Sechsfache. Statt 64 Cent, satte 4,17 Euro pro Kilo.
Simon Beiser, Diplomingenieur für Weinbau und Oenologie
„Mit gleicher Wirkung, kein Unterschied und kein Mehrnutzen. Nur der Preis ist teurer. Mit dem Aufwand, was wir letztes Jahr gebraucht haben, hätten wir Mehrkosten von ungefähr 5500 Euro.“
Deutschlandweit gehen die Mehrkosten in die Millionen!
Der Grund für das Backpulver-Aus ist eine bürokratische Spitzfindigkeit der EU: Ein Stoff kann nämlich nicht gleichzeitig als Grundstoff genutzt werden UND ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel sein. Deshalb ist das günstige Backpulver jetzt verboten – das teuere Backpulver aber erlaubt.
„Ja das ist einfach mehr als Irrsinn. Man kommt sich auf gut Deutsch richtig verarscht vor.“
Obwohl der Winzer umweltschonend arbeiten will, greift er jetzt wieder zu chemischen Pflanzenschutzmitteln, denn die sind deutlich billiger als Natrisan. Ein klassisches Eigentor in Sachen EU-Umweltschutz.
Ach ja, ein letztes wäre da natürlich noch:Nur Winzer aus Deutschland und Österreich müssen verzichten. Im Rest der EU ist Natrisan nicht zugelassen, deshalb bleibt dort das gute alte Backpulver weiterhin erlaubt.
„Wir stehen alle unter Preisdruck. Und wenn die Erzeugung teurer wird, wird auch das Produkt teurer oder muss theoretisch teurer werden.“


