Ferien-Camp für Kinder aus Ukraine-Kriegsgebiet

Mittlerweile fast dreieinhalb Jahre Krieg in der Ukraine. Und damit dreieinhalb Jahre Todesangst und die große Ungewissheit: Wann schlägt die nächste Rakete ein? Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat nicht nur bereits zehntausende Menschen das Leben gekostet – er lässt Kinder und Jugendliche in einer Welt voller Sorgen aufwachsen. Der Verein ‚Kinderhilfe Ukraine Rhein-Neckar‘ organisiert daher jedes Jahr ein zwei-wöchiges Sommercamp in Ludwigshafen – Um den Jüngsten mal für einige Zeit eine Auszeit von ihrem Leben im Krieg zu verschaffen.

Maryna, 11 Jahre alt
„Es gibt immer wieder Alarme, oft in der Nacht. Wenn ich Angst habe, kommt mein Bruder zu mir ins Bett. Meine Eltern bleiben dann wach und schauen in der App und in den Nachrichten, wo die Raketen hinfliegen. Und wenn es dann gefährlich für uns wird, gehen wir alle zusammen in den Bunker.“
Sie kann sich noch an die Donnergeräusche und den Anblick explodierender Bomben erinnern. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022, flieht die elf Jahre alte Maryna mit ihrer Familie von Cherson ins mehr als 500 Kilometer entfernte Swjahel.
Maryna, 11 Jahre alt
„Es war sehr schmerzhaft für mich, dass ich meine Stadt, in der ich geboren wurde und gelebt habe, verlassen musste. Ich vermisse meine Oma, meinen Opa, meinen Kater und meinen Hund.“
Valentyna Sobetska kommt aus Swjahel und lebt seit 2013 in Ludwigshafen. 2014 gründet sie den Verein „Kinderhilfe Ukraine Rhein-Neckar“ und organisiert seitdem jährlich das Sommercamp. Neben Maryna nehmen in diesem Jahr zwölf weitere Kinder aus der Ukraine am Camp in Ludwigshafen teil.
Valentyna Sobetska, Verein Kinderhilfe Ukraine Rhein-Neckar
„Damit die Kinder Freude bekommen und genießen. Die Kindheit ist so schnell vorbei. Deswegen ist es eine gute Gelegenheit, jetzt für Kinder irgendwie ein Stück Natur zu zeigen. Die haben jetzt seit den letzten drei Jahren keine Natur mehr betreten. Sie sind nur in der Stadt, im Bunker oder im Keller, aber keine Natur. Deswegen will ich, dass die Kinder die Natur sehen, betreten und genießen.“
Sie alle kommen selbst aus Waldregionen, dürfen die Wälder aber nicht betreten – zu groß die Gefahr durch Minen, nicht detonierte Bomben und Drohnen. Umso größer ist die Freude über den Ausflüg ins Grüne.
Nastia, 12 Jahre alt
„Ich mag es sehr, hier mit der Gruppe gemeinsam zu wandern. Ich mag die Natur, diesen Geruch von frischem Regen. Es gefällt mir hier richtig gut.“
Nastia lebt in Swjahel und unterstützt dort ihre Mutter, die ehrenamtliche für das Rote Kreuz arbeitet.
Nastia, 12 Jahre alt
„Fast jeden Tag gibt es bei uns in der Stadt Beerdigungen von gefallenen Soldaten. Es gab auch schon mehrere Raketenangriffe. Ich bin dann mit meiner Mutter an die getroffenen Orte gefahren und wir haben dort als Freiwillige den Menschen geholfen.“
Mit dem Sommercamp will Valentyna Sobetska den Kindern nicht nur eine friedliche Auszeit in der Natur verschaffen, sondern ihnen auch Mut, Hoffnung, Zuversicht – eine Perspektive für die Zukunft geben.
Valentyna Sobetska, Organisatorin Sommercamp „Auszeit vom Krieg“
„Damit die Kinder sehen, was Europa bedeutet. Was Demokratie bedeutet und wofür unsere Leute kämpfen. Welches Leben wollen wir eigentlich dort in der Ukraine? Welche Ziele haben wir wohin wollen wir kommen?“
Hinter jedem dieser Gesichter verbergen sich kindliche Träume und Wünsche, aber auch schmerzliche Erinnerungen an den Krieg. So ist der Vater des neunjährigen Sascha bereits im Krieg gefallen. Zusammen mit den anderen Kindern besucht auch er heute ein Mahnmal von 1930 in einem Waldstück bei Bad Dürkheim, in Erinnerung an den 1. Weltkrieg. „Nie wieder Krieg“ steht darauf geschrieben – und darin sind sich auch hier alle einig. An einem  wechselhaften Tag in der Pfalz, wo  auch der  ständige  Regen zur Nebensache wird.