100 Jahre Leica-Kameras

Für unglaubliche 7,2 Millionen Euro ist in Wetzlar erst kürzlich ein Prototyp der Kleinbild-Kamera ‚Leica 1‘ versteigert worden. Die Auktion gehört zu den großen Feierlichkeiten zum 100-jährigen Geburtstag der Leica-Kamera. Durch sie sah die Welt 1925 ganz anders aus. Die Erfindung aus Wetzlar hat das Ende der gestellten Fotografie eingeleitet. Mit der ersten Leica waren Bilder vom wirklichen Leben möglich.

Ein Gebäude, gebaut wie ein Fotoapparat. Rechts das Objektiv, links der Körper. Seit 2014 sitzt der Kamerahersteller Leica auf dem Gelände einer ehemaligen Panzerwaschanlage der US-Armee. Seit 100 Jahren wird hier in Wetzlar die berühmte Kleinbildkamera gefertigt. Auch heute noch: vieles in Handarbeit.
Matthias Harsch, Vorstandsvorsitzender Leica Camera AG
„Wir beschäftigen hier am Standort rund 1.000 Mitarbeiter. Weltweit sind wir heutzutage 2.400. Wir sind in den letzten zehn Jahren ganz kräftig gewachsen. Auch hier am Standort in Wetzlar, als auch weltweit. So würde ich sagen, dass Leica ein wichtiger Arbeitgeber ist im Großraum Wetzlar.“
1925 wird die Leica  in Serie gefertigt. Die erste handliche Kamera für Profifotografen. Eine Erfindung made in Germany, die den Bildjournalismus, die Schnappschüsse überhaupt erst möglich macht. Hergestellt wird sie von den Mitarbeitern der Leitz-Werke in Wetzlar. Damals arbeiten 1700 Menschen bei dem Optikspezialisten. Heute liegt das Firmengelände am Rande der mittelhessischen Stadt. 100 Jahre nach der Erfindung der Kleinbildkamera steht das Unternehmen gut da. Der Umsatz der Leica Camera AG nähert sich der 600-Millionen-Euro Marke. Das Smartphone ist für Matthias Harsch keine Kamera-Konkurrenz.
Matthias Harsch, Vorstandsvorsitzender Leica Camera AG
„Im Gegenteil, wir sehen den Fakt, dass immer mehr Menschen sich mit Mobil-Phones sozusagen fotografieren, als eine Chance, interessierte Fotografen in den klassischen Kamerafotomarkt zu holen.“
Er ist einer der renommiertesten Fotografen der Welt. Joel Meyerowitz stammt aus der Bronx. Bekannt ist er vor allem durch seine New Yorker Straßenfotografien. Zum 100-jährigen Leica-Jubiläum werden 100 seiner Werke im Ernst-Leitz-Museum ausgestellt.
Joel Meyerowitz, Fotograf
„Jede Fotografie ist ein Schnappschuss. Es dauert schon einen Moment, aber die Disziplin, um so eine Fotografie zu machen, die ist sehr groß, sehr stark. Es ist philosophisch, ja spirituell. Es ist sehr komplex. Aber ich will die Welt so zeigen, wie sie aussieht. Ganz real, keine Fake-Welt. Und die Leica ist für mich die richtige Antwort. Ich benutze eine Eins-zu-eins-Kamera-Linse. Also wenn ich sie durch den Sucher anschaue, dann sehen sie ganz genauso aus wie in der Realität.“
„Die Freude am Sehen“ heißt die Ausstellung, sie bleibt bis zum 25. September in Wetzlar. Die Freude am Fotografieren lässt sich Joel Meyerowitz auch mit 87 Jahren nicht nehmen. Er ist  für neue Street-Fotografien schon wieder unterwegs nach New York.