Winzer experimentiert mit Sparkling Tea
Die Mosel-Region in Rheinland-Pfalz ist vor allem für eines bekannt: ihren Riesling. Doch gerade bei jungen Menschen geht der Weinkonsum immer weiter zurück. Auch aus diesem Grund müssen die Winzer kreativ sein. Ein Beispiel: In den Weinbergen rund um Winningen, wachsen nicht nur Trauben, sondern mittendrin auch frische Kräuter. Und genau damit wird jetzt experimentiert, was man daraus alles Leckeres, Alkoholfreies herstellen kann.
Lavendelblüten soweit das Auge reicht. Dazwischen wachsen Bergminze oder Salbei. Alles Kräuter, die Christian Kloss für seinen sogenannten Sparkling Tea verarbeitet. Bewirtschaftet wird der Wein- und Kräuterberg vom Heimatverein Lehmer Razejunge. Die zwei Männer treffen sich vor einigen Monaten zufällig auf einem Markt.
Dieter Möhring, Lehmer Razejunge e.V.
„Das war schon sehr verdächtig. Kauft alle möglichen Tees und Kräuter ein. Und zwei Tage später rief er dann an und sagte: ‚Mensch, kannst du Lavendel liefern und Bergminze? Das hätten wir gerne für den Sparkling Tea.’“
Sparkling Tea ist eine Art alkoholfreier Secco auf Tee-Basis. In Deutschland ist Christian Kloss einer der ersten, der sich an das Getränk heranwagt. Seine Vision: möglichst viele Kräuter verwenden, die auch im eigenen Weinberg wachsen können. Bevor die aber vom Lehmer Wingert in den Teekessel wandern, werden sie getrocknet.
Christian Kloss, stellt Sparkling Tea her
„Wir müssen es leider getrocknet verwenden, weil alle Zutaten, die wir haben, verwenden wir getrocknet. Und ansonsten wäre dort dann die Differenz dann zu groß vom Geschmacklichen her.“
Rosenblätter, Lindenblüten, Holunder. Was die Lehmer Razejunge nicht anbauen, kauft Christian Kloss dazu. Welche Kräuter am besten miteinander harmonieren, hat der gelernte Winzer mit Kollegen und Freunden ausgetüftelt.
Christian Kloss, stellt Sparkling Tea her
„Wir gehen wirklich hin wie im Labor, wie auch ein Koch das macht. Und man nimmt kleine Zutaten. Und der Vergleich mit dem Koch ist deswegen auch so Passend, weil da macht es ja auch die Prise Salz aus und nicht 200 Gramm Salz, die ich zum Essen dazu nehme. Also dieses Ausbalancieren von verschiedenen Aromen.“
Herausgekommen sind mehrere, ganz unterschiedliche Varianten. Und weil es sich dabei schließlich immer noch um Tee handelt, wird das Getränk auch genauso hergestellt.
Christian Kloss, stellt Sparkling Tea her
„Wir haben einmal Varianten, die werden als Cold Brew hergestellt. Also im Prinzip nimmt man einfach einen sehr, sehr, sehr, sehr großen Teebeutel und hält den in Wasser rein. Und die andere Variante ist, dass ich das mit Hitze mache, so wie man es auch von zu Hause kennt. Und ansonsten ist es sehr vergleichbar mit einem Secco. Am Ende des Tages nehmen wir dann auch das fertige Produkt und verwenden dann Kohlensäure zum Karbonisieren, um das Ganze zum Prickeln zu bringen.“
Alkoholfreie Weine, Sekte und Weinalternativen wie der Sparkling Tea seien derzeit am Boomen, so Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Dies habe vor allem damit zu tun, dass nachkommende Generationen weniger Alkohol trinken.
Ernst Büscher, Deutsches Weininstitut
„Es ist sicherlich einmal ein verändertes Gesundheitsbewusstsein. Und dass man einfach auch in der Ernährung sich jetzt sehr viel gesünder ernährt als es noch vor zehn, 20 Jahren der Fall war. Und einen bewussteren Lebensstil wählt.“


