Selbst graben in der Grube Messel

In Messel bei Darmstadt können Sie jetzt zum waschechten Forscher werden: Denn in der berühmten Fossil-Fundstätte können Besucher seit Kurzem dienstags, samstags und sonntags selbst nach Fossilien graben. Auf zu einer Zeitreise – 47 Millionen Jahre zurück in die Vergangenheit.

Eine Zeitreise, auf die sich heute die Geschwister Evje und Enno machen. Hat sich jeder seine  Ölschieferplatten ausgesucht, heißt es, Schicht für Schicht vorsichtig freilegen. Enno landet direkt einen Volltreffer: In seinem Fossil verstecken sich zwei uralte Käfer und eine Fischschuppe.
Enno, 6 Jahre
„Die zwei Käfer haben so hellblau geschimmert. Und die Fischschuppe war dunkel.“
Die Grube Messel ist das älteste Weltnaturerbe Deutschlands. Vor vielen Millionen Jahren war sie ein See in einem Vulkankrater. Heute sind die Fossilien ein Blick  in die Evolution der Säugetiere nach dem Aussterben der Dinosaurier.
Philipe Havlik, Geschäftsführer Grube Messel
„Der Ölschiefer aus der Grube Messel ist ja im Prinzip der Dreck, der sich in einem Vulkankrater vor 47 Millionen Jahren abgelagert hat. Das ging super langsam. Und das bedeutet, dass ganz, ganz viele Tiere während der Ablagerungszeit von dem Gestein gestorben sind. Tiere, Pflanzen, alles Mögliche. Das bedeutet, dass wirklich in jedem kleinen Fitzel von dem Ölschiefer hier aus Messel auch irgendetwas drin ist.“
Und genau diese kleinen Fitzel gilt es, hier im GRAB `MAL unter die Lupe zu nehmen. Über 1.400 verschiedene Arten sind in den Ölschieferplatten konserviert. Die wurden vorab von den Paläontologen der Grube untersucht.
Philipe Havlik, Geschäftsführer Grube Messel
„Jetzt denkt sich jeder ‚Ja super, wir dürfen den Dreck von den anderen durchwühlen.‘ Ja, stimmt. Und dadurch geben Sie auch den Fossilien eine zweite Chance. Kleiner Spoiler: Beim ersten Probebetrieb, den wir hier hatten, kam gleich ein versteinerter Vogel raus. Also Sie sehen, selbst in dem Dreck, wo eigentlich schon einmal viele, viele Augen drüber geschaut haben, selbst da ist noch was übrig. Und auch das kann einen Beitrag zu aktiver paläontologischer Forschung leisten.“
Denn finden die Besucher ein wirklich  seltenes Fossil, wird es in die Sammlung der Grube mit aufgenommen. Die Mitarbeiter des Messel-Teams helfen dabei, herauszufinden, wie selten ein Fund wirklich ist. Diese Hobby-Forscherin ist auf einen Koprolithen gestoßen.
Laura Kettner, Besucherbetreuerin Grube Messel
„Auf Deutsch übersetzt, ist das ein Kotstein. Also ein 47 Millionen Jahre altes Häufchen.“
Und kommt damit häufig vor. Nach einer halben Stunde ist die Ausgrabung vorbei. Bei Evje ist  der Forschergeist geweckt.
Evje, 9 Jahre
„Ich finde es hier richtig cool, weil es mir Spaß macht, rumzuexperimentieren.“
Ihre Funde dürfen die Geschwisterkinder als Erinnerung mit nach Hause nehmen. Ein Stückchen 47 Millionen  Jahre alter Geschichte.