Plädoyers im Missbrauchsprozess gegen Fußballtrainer
Vor dem Landgericht Frankfurt muss sich ein 28-jähriger ehemaliger Fußball-Trainer verantworten. Er soll im Main-Taunus-Kreis ein Kind und mehrere Jugendliche sexuell missbraucht haben. Der Prozess steht kurz vor dem Abschluss – heute wurden die Schluss-Plädoyers gehalten.
Die Vorwürfe wiegen schwer: Der Angeklagte soll fünf Jungen im Alter von 13 bis 16 Jahren sexuell missbraucht haben.
Zwischen 2019 und 2024 soll er im Main-Taunus Kreis neun Taten begangen haben. Manche Opfer soll der ehemalige Jugend-Fußballtrainer zusätzlich gezwungen haben Kokain zu konsumieren.
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft ist deshalb lang. Es geht um Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch und Übergriffe, Exhibitionismus, Nötigung und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.
Lisa Kretzschmar, Staatsanwaltschaft Frankfurt
„Er war für die Jugendlichen und Kinder sehr nahbar. Er war ja jemand, den man kannte. Man kannte ihn auf dem Platz, als Autoritätsperson, aber man kannte ihn auch neben dem Platz. Und er hat sich natürlich sehr auf deren Ebene herabbegeben, durch Interessen wie Musikhören, Autofahren, Fußball natürlich, als Kernelement, was alle verbindet, und dadurch eben so eine Art freundschaftliche Bindung suggeriert hat, die aber natürlich von Anfang an nicht freundschaftlich war aufgrund diesen Autoritätsverhältnisses.“
Die Staatsanwaltschaft fordert heute eine Haftstrafe von acht Jahren und sechs Monaten.
Der Angeklagte hatte den sexuellen Missbrauch direkt zu Prozessbeginn gestanden.
Die Folgen seiner Taten für die Minderjährigen werden wohl erst im Erwachsenenalter sichtbar, so die Nebenklage. Die Aufarbeitung könnte Jahre dauern.
Gabriele Lehnert, Anwältin eines Opfers
„Er will mit niemanden darüber reden. Die Mutter hat mir gesagt, der hat einen ganz guten Kumpel, mit dem er wohl ab und zu mal darüber gesprochen hat, aber ansonsten blockt er das komplett ab. Also das ist so, als ob es nicht dagewesen wäre. Ich glaube, das ist Selbstschutz, nichts anderes. Das einfach dieses Ausblenden, das ‚es war vielleicht nicht alles so schlimm‘ – in Anführungsstrichen -, um weiterzumachen.“
Der ehemalige Jugend-Fußballtrainer aus Kelkheim soll unter einer Alkohol- und Kokainsucht gelitten haben, sagt die Verteidigung. Das müsse sich in einer geringeren Haftstrafe niederschlagen; maximal fünf Jahre und neun Monate.
Ulrich Endres, Verteidiger des Angeklagten
„Das Interesse der Gesellschaft muss sein, dass er – ich sag’s jetzt mal ganz deutlich, – geheilt wird. Erstens von seiner Kokainsucht, zweitens von seinem Fehlverhalten im sexuellen Bereich. Mein Mandant ist nicht nur therapiewillig, sondern therapiebegierig. Der sieht, dass nur die Therapie ihm helfen kann aus diesem Teufelskreis aus Kokain, Alkohol und sexuellem Fehlverhalten herauszukommen. Das will er auch und das hat auch die Gutachterin deutlich gemacht.“


