Klage gegen Frankfurter Fahrradstraße
Frankfurt gilt inzwischen als fahrradfreundlichste Großstadt Deutschlands, doch diese Medaille hat eine Kehrseite: Wo immer eine neue Fahrradstraße entsteht, sind Kritiker nicht weit. Vor allem Gewerbetreibende entlang der Fahrradstraßen fürchten um ihre Existenz, einige ziehen nun vor Gericht.
Der Grüneburgweg im Westen Frankfurts: Vorrang für Radfahrer auf dem breiten roten Streifen, Einbahnstraße für Autos und Lieferwagen, zudem Hunderte von Verkehrsschildern. Sehr zum Unmut der Geschäfte entlang der Straße: Weniger Parkmöglichkeiten durch Fahrradständer und Poller, schlechtere Erreichbarkeit, die Gewerbetreibenden befürchten Umsatzeinbußen. Auch die Bürgerinitiative „Vorfahrt Frankfurt“ sieht die neue Verkehrsführung kritisch.
Hendrik Gienow, Vorsitzender „Vorfahrt Frankfurt e.V.“
„Diese vielen Geschäfte brauchen Besucher. Und diese Besucher kommen aus anderen Stadtvierteln und teilweise auch von außerhalb. Und wenn man denen das unmöglich macht, hierherzukommen, dann werden die wegbleiben.“
Die Initiative unterstützt sechs Geschäftsleute, die nun gegen die Fahrradstraße klagen. Die Kläger selbst wollen sich nicht äußern, zu aufgeheizt sei die Diskussion vor Ort. Die Stadt Frankfurt zeigt zwar Verständnis für die Bedenken in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, verteidigt die Maßnahmen aber:
Wolfgang Siefert (Bündnis 90 / Die Grünen), Verkehrsdezernent Frankfurt
„Die Aufenthaltsqualität steigern für alle, die dort unterwegs sind. Also Fußgänger, Radfahrer, die Leute, die dort auch einkaufen, die dort auch wohnen. Gleichzeitig wollen wir die Verkehrssicherheit erhöhen.“
Laut einer Studie sei die Zahl der Unfälle in der Mainmetropole durch die Fahrradstraßen deutlich zurückgegangen. Der Klage blickt der Verkehrsdezernent gelassen entgegen, obwohl bereits eine weitere Frankfurter Radstraße die Justiz beschäftigt. Am Grüneburgweg kann man derzeit den Eindruck gewinnen, dass dort niemand so richtig zufrieden ist.
Christian Kellberg, Fahrradfahrer aus Frankfurt
„Unter Fahrradstraße stelle ich mir dann schon was anderes vor. Sie sehen ja, hier kommt ein Fahrzeug nach dem anderen. Ich bin zwar nicht so oft hier, aber wenn, dann denke ich immer: Na ja, ist ja nicht wirklich eine Fahrradstraße.“Gisbert Stolberg, Anwohner
„Das ist so ein bisschen die Quadratur des Kreises. Man will es allen recht machen und macht es damit keinem recht. Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer, öffentlicher Verkehr – alles unter einen Hut zu bringen, da müssen alle für Abstriche machen.“


