Naturbad in Schwalbach wegen Nilgänsen geschlossen

Nilgänse werden bei uns in Hessen und Rheinland-Pfalz für einige Menschen immer mehr zum Ärgernis. Als invasive, sprich: ursprünglich nicht in Deutschland beheimatet Art breitet sich die Nilgans an unseren heimischen Gewässern aus. Besonders groß ist der Ärger, wenn sich Nilgänse ausgerechnet dort breit machen, wo auch Menschen gerne baden. Denn ihre Hinterlassenschaften gelten als gesundheitsgefährdend. Im Naturbad in Schwalbach am Taunus sorgen nun offenbar Nilgänse dafür, dass menschliche Badegäste leider draußen bleiben müssen.

Es ist nicht nur eine Nilgans, sondern gleich eine ganze Mannschaft, die das Naturbad in Schwalbach gerade so regelmäßig aufsucht wie sonst nur Badegäste mit Dauerkarte: Hier erwischt von der Überwachungskamera in den frühen Morgenstunden. Obwohl Nilgänse nicht unbedingt als scheu gelten, kommen sie lieber nur außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten her – spätestens, wenn der erste Bad-Mitarbeiter morgens das Tor aufschließt, suchen sie das Weite. Was bleibt, ist ihr Kot im Wasser – spätestens hier ist für den Badbetreiber Schluss mit putzig.
Kai-Thorsten Lorenz, Geschäftsführer Wasserversorgung Main-Taunus
„Auf der einen Seite sind sie natürlich nett anzuschauen und gehören auch irgendwo zu einem Naturbad dazu. Aber wenn wir natürlich so schnell unsere Werte reißen, dann haben wir ein Problem. Weil irgendwo wollen ja die Leute auch schwimmen gehen. Und nur weil die Vögel jetzt hier sitzen, ist es das nicht. Und wir müssen gucken, dass sie irgendwo anders wohnen, und nicht hier bei uns.“
Anders als in normalen Freibädern wird das Wasser in Naturbädern nicht gechlort, sondern in so genannten Regenerationsbecken natürlich aufbereitet. Dabei gelten besonders strenge Grenzwerte, etwa für E-Coli-Bakterien. Weil die im Naturbad Schwalbach seit Tagen regelmäßig überschritten werden, sind die beiden großen Becken für Badegäste derzeit gesperrt – nur im Babybecken wird noch geplanscht. Und das mitten in den Sommerferien – kein Wunder, dass die Stadt nach einer möglichst schnellen Lösung für das Nilgans-Problem sucht.
Thomas Milkowitsch (CDU), Erster Stadtrat Schwalbach am Taunus
„Wir sind im Austausch mit den oberen Behörden, der unteren Naturschutzbehörde, der Jagdbehörde und ähnlichen Behörden, was man in solchen Fällen alles tun kann. Und da sind wir eigentlich recht guten Mutes, dass wir relativ zügig auch Möglichkeiten aufgezeigt bekommen, um diesem Thema entgegnen zu können.“
Am liebsten wäre der Stadt eine sanfte Lösung des Problems: Also die Gänse nicht gleich abschießen, sondern einfach nur dauerhaft vergrämen. Etwa mit Wasserfontänen, Knallgeräuschen oder Flatterbändern. Da komme es jetzt wohl auf den einen oder anderen Versuch an. Die verhinderten Badegäste tragen ihre unfreiwillige Trockenlegung derweil mit Fassung – statt im Wasser baden sie eben vorübergehend einfach in der Sonne.
Annette Bugarski
„Weil es einfach ein schönes Ambiente ist. Und warum soll man nicht hier sitzen. Und der Eintritt ist frei. Wir dürfen zwar das Becken nicht benutzen, aber wir haben die Wiese.“
Peco Bugarski
„Bist ein bisschen auf der Wiese, Sonne genießen… bringt man sich halt was zu Trinken mit und dann – auch gut!“
Am besten für alle wäre es wohl, wenn die Nilgänse einfach wieder die Flatter machen. Doch damit ist eher nicht zu rechnen – bei dem Ambiente fühlt sich eben auch ungebetenes Federvieh pudelwohl.