Nachfrage nach Jagdscheinen boomt
Deutschland ist im Jagdfieber! Immer mehr interessieren sich für die Jagd, mehr als 460.000 Menschen sind im Besitz eines Jagdscheins – die Zahl der neuen Anwärter ist seit Jahren auf einem Rekordhoch. Auch in Hessen ist ein Andrang auf das „grüne Abitur“ spürbar. Im Jagdklub Darmstadt werden auch in diesem Jahr wieder neue Jungjäger ausgebildet. Doch die Prüfung ist anspruchsvoll.
„Viele Leute meinen ja, der Jäger geht raus, schießt was, geht wieder nach Hause. Ich bin täglich hier und schieße vielleicht alle sechs oder acht Wochen mal ein Stück Wild.“
Mit diesem und weiteren Vorurteilen sieht sich Bernd Spiller als Jagdpächter öfter konfrontiert. Für ihn bedeutet die Arbeit vor allem Verbundenheit zur Natur und aktiver Naturschutz. Denn zu große Populationen können zum Problem werden.
Bernd Spiller, Jagdklub Darmstadt Ausbilder
„Zum einen massive Schäden an der Landeskultur – sprich die Bäume, die Jungbäume werden beschädigt durch Verbiss oder in der Feldflur werden die angepflanzten Feldfrüchte beschädigt oder vernichtet – und zum anderen eine zu hohe Wilddichte bedingt auch, dass es Seuchen gibt.“
Zum Beispiel die Afrikanische Schweinepest. Mittlerweile habe man aber in dem Gebiet die Seuche wieder gut im Griff. Aber einfach ein Tier schießen, geht nicht.
Bernd Spiller, Jagdklub Darmstadt Ausbilder
„Ich muss erst mal gucken, passt es in meinen Abschussplan. Passt es in die Altersstruktur und ganz wichtig jetzt gerade im Frühjahr – wir haben ja noch Brut- und Setzzeit und die Jungtiere sind abhängig von den Muttertieren.“
Dieses Wissen geben er und seine Kollegen an die Jägeranwärter weiter. Doch nicht jeder eignet sich für einen Jagdschein. Deshalb werden alle sorgfältig geprüft.
Martin Ramrath, Jagdklub Darmstadt Ausbilder Schießen
„Wir in der Ausbildung fordern bevor die Jagdscheinanwärter Kontakt zu Waffen haben, dass sie uns ein Attest mitbringen, dass aus ärztlicher Sicht nichts dagegen spricht. Jeder, der einen Jagdschein machen möchte, wird bevor er die Prüfung abgenommen bekommt, auf seine persönlich Eignung hin überprüft durch die Behörden. Heißt: Es gibt Abfragen beim Verfassungsschutz, bei der Polizei.“
Die Ausbildung dauert circa sechs Monate. In der Zeit werden die Teilnehmer in Wildbiologie, Waffenkunde, Jagdbetrieb und Jagdrecht unterrichtet. Auch in Darmstadt nimmt der Jagdklub ein steigendes Interesse wahr. Nach Angaben des Deutschen Jagdvereins ist Draußen sein die Hauptmotivation der Jungjäger. Das könne auch mit der Corona-Pandemie zusammenhängen, da Ausgangssperren und Isolation ein Bedürfnis nach Aktivitäten im Freien zur Folge hatten. Doch es gibt auch andere Gründe.
Judith, macht ihren Jagdschein
„Weil ich noch viel, viel mehr über den Wald und die Bewohner wissen möchte. Und ich weiß, das mach ich nicht, wenn ich zuhause mich hinsetze allein und das lerne, sondern ich brauch da einen Anreiz, ich brauche jemand mit dem ich das zusammen machen kann.“Markus, macht seinen Jagdschein
„Außerdem esse ich ganz gerne und die Beschaffung vom Wild und Wildbret dann selbst zu verarbeiten oder jagen, hat mich dazu gebracht. Das ist das biologischste Fleisch, was man sich beschaffen kann.“


