Ehemaliges Pfaff-Gelände wird neuer Stadtteil

Eine Pfaff-Nähmaschine gab es früher in fast jedem Haushalt. Pfaff, ein pfälzisches Traditionsunternehmen, das seinen Hauptsitz in Kaiserslautern hatte. Im 19. Jahrhundert wurden jährlich zehn Millionen Nähmaschinen hergestellt. Doch einhundert Jahre später ging es allmählich bergab – mehrfach war Pfaff pleite. Vor gut 15 Jahren sind auf dem Pfaff-Gelände die letzten Nähmaschinen hergestellt worden – heute entsteht genau da ein neuer Stadtteil.

Ein ehemaliges Firmengelände, größer als 26 Fußballfelder. Die Ausmaße zeigen die Bedeutung, die Pfaff einst hatte. Einer der weltweit größten und bekanntesten Nähmaschinenhersteller. In den 1970er Jahren arbeiteten für Pfaff rund 10 000 Menschen. Seit 2016 baut die Stadt Kaiserslautern genau hier einen neuen Stadtteil auf.
Rainer Grüner, Geschäftsführer Pfaff-Entwicklungsgesellschaft
„Die Anfänge hier auf dem Pfaff-Gelände waren sehr mühsam. Man musste das Gelände erschließen. Und das ist auch heute unser Problem, nämlich die Produktionsabfälle wurden hier teilweise auf dem Gelände auch vergraben. Und die mussten wir hier mühsam wieder herausholen.“
Es soll ein ökologisches, nachhaltiges und vielfältiges Stadtviertel werden. Kein reines Wohngebiet. Auch Firmen sollen sich hier ansiedeln. Die Stadt Kaiserslautern hat bisher 30 Millionen Euro investiert.
Rainer Grüner, Geschäftsführer Pfaff-Entwicklungsgesellschaft
„Und wird noch 50 Millionen Euro investieren müssen, bis das Gebiet endgültig fertiggestellt ist.“
Das alte Kesselhaus aus dem Jahr 1906. Es wird hier stehenbleiben. Als Denkmal, Veranstaltungsort, Treffpunkt für die Bewohner. Diese alten Produktionshallen sollten eigentlich abgerissen werden. Jetzt bleiben sie erhalten und werden zu Wohnungen umgebaut. Einige Investoren haben sich dafür eingesetzt. Die städtische Pfaff-Enwicklungsgesellschaft will in gut 2 Jahren mit der Erschließung des Geländes fertig sein, gleichzeitig sucht sie Käufer. Auch für die ehemalige Kantine des Nähmaschinenherstellers.
Rainer Grüner, Geschäftsführer Pfaff-Entwicklungsgesellschaft
„Da gibt es Investoren, die haben Ideen hier, auch angefangen von Tanzstudios über kulturelle Begegnungsstätten bis hin zu Fitnesscentern.“
Doch noch sind das nur Ideen. Im Frühjahr gab es das erste Investorentreffen. Einiges ist auf dem ehemaligen Pfaffgelände bereits eröffnet worden. Eine Apotheke, Büros, das größte Holzparkhaus Europas. Im ehemaligen Verwaltungsbau befindet sich jetzt ein Ärztehaus. Raum gibt es auch für Nachwuchs im Gesundheitswesen.
Rainer Grüner, Geschäftsführer Pfaff-Entwicklungsgesellschaft
„Hier auch zusammen mit dem Westpfalzklinikum noch eine Hochschule hier gründen, hier in Kaiserslautern, für die Westpfalz. Wo wir auch Ärzte und Pflegeberufe ausbilden können.“
Ein Problem hat das neue Stadtviertel. Nur 30 Prozent der Fläche steht laut Bebauungsplan für Wohnungen zur Verfügung. Für diese Gebäude gibt es mehr als genug Käufer. Die Gewerbeflächen lassen sich durch die aktuelle wirtschaftliche Lage schwierig vermarkten. Das ließe sich aber noch ändern.
Rainer Grüner, Geschäftsführer Pfaff-Entwicklungsgesellschaft
„Könnte man schon, aber der Bebauungsplan muss geändert werden, was eine erhebliche Zeitverzögerung bedeutet.“
Trotz Änderung des Bebauungsplans soll auf dem ehemaligen Pfaffgelände keine reine Wohnstadt entstehen. Sondern ein gemischtes Gebiet, mit Kultur, Gastronomie, Geschäften und Betrieben. Es wird wohl nur länger dauern, als die geplanten zwei Jahre.