Landkreise verklagen Land wegen Finanzausstattung
600 Millionen Euro für die leeren Kassen der Kommunen – das hat der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer vor zwei Wochen angekündigt. Statt eines Dankeschöns haben die Landkreise Südwestpfalz und Cochem-Zell heute eine Klage gegen das Land auf den Weg gebracht. Das Signal: Die Kreise sind in akuter Finanznot. Darüber sprechen wir gleich mit dem Landkreistag – vorher werfen wir einen Blick auf die Kläger.
Am Fuße der Reichsburg Cochem braut sich etwas zusammen. Der Kreis Cochem-Zell klagt gegen das Land Rheinland-Pfalz. Denn das Geld, das durch den Kommunalen Finanzausgleich zur Verfügung gestellt wird, reicht einfach nicht aus. Vor allem die Kosten für die Sicherstellung des ÖPNV und für Schüler- und Kita-Beförderung sind in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen. Landrätin Anke Beilstein sieht deshalb keinen anderen Weg mehr.
Anke Beilstein (CDU), Landrätin Landkreis Cochem-Zell
„Wir erhalten nicht genügend Zuweisungen des Landes, um unsere Pflichtaufgaben zu erfüllen. Und das hat zur Folge, dass ein massiver Anstieg bei den Liquiditätskrediten zu verzeichnen ist und am Ende des Tages eine hohe Verschuldung des Landkreises, die es fast unmöglich macht überhaupt noch Dinge auf freiwilliger Basis umzusetzen.“
Auch der Landkreis Südwestpfalz zieht gegen das Land Rheinland-Pfalz vor das Verwaltungsgericht. Denn auch hier reichen die bereitgestellten finanziellen Mittel nicht aus. Die Kommunen sind von Ehrenämtern und Spenden abhängig. In der Gemeinde Kleinsteinhausen zum Beispiel, kann die Bürgermeisterin schon seit Jahren kein neues Mobiliar für die Mehrzweckhalle anschaffen. Und ein Kinderspielplatz konnte nur durch Spenden saniert werden. Es ist das erste Mal, dass der Landkreis Kredite aufnehmen muss um sein laufendes Geschäft sicherstellen zu können.
Susanne Ganster (CDU), Landrätin Landkreis Südwestpfalz
„Das hat sich seit der Neuregulierung des kommunalen Finanzausgleiches 2023 erst ergeben. Aber in einer so großen Höhe, dass wir jetzt bis Ende des Jahres schon 48 Millionen Liquidität brauchen und bis 2027 sogar fast 100 Millionen Euro. Und deswegen sagen wir: So kann es nicht mehr weitergehen.“
Erst Anfang des Monats hat Ministerpräsident Alexander Schweitzer eine finanzielle Entlastung der Kommunen für die kommenden Jahre in Aussicht gestellt.
Alexander Schweitzer (SPD), Ministerpräsident RLP
„Die besonderen konjunkturellen Verwerfungen für die Kommunen werden wir damit auffangen und sie gut für die Zukunft aufstellen. Wir legen ein Sofortprogramm auf in Höhe von 600 Millionen Euro für die Jahre 2025 und 2026. Finanziert durch Landesgeld.“


