Sommerinterview mit Boris Rhein (CDU)
Die CDU ist die Kanzlerpartei, die sowohl im Bund als auch in Hessen mit der SPD regiert. Doch auf Bundesebene brodelt es jetzt gewaltig. “Kanzler in der Krise” lauten die Schlagzeilen.
Eva Dieterle, Moderatorin:
Über die Gründe sprechen wir gleich. Doch zuvor haben wir den Ministerpräsidenten zu einem Fotoshooting in der Staatskanzlei getroffen. Und auch er hat für ihn persönlich wichtige Gegenstände mitgebracht. Die exklusiven Einblicke gibt es jetzt.
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Als Regierungschef von Hessen bringt Boris Rhein zum Shooting das Wappentier seines Bundeslandes mit. Den Löwen. Dieser Hessenlöwe ist sogar ein ganz besonderes Modell aus Höchster Porzellan. Der Löwe symbolisiert Stärke, Schönheit und auch Mut – so nimmt der Ministerpräsident auch die Hessen wahr.
Boris Rhein, (CDU), Ministerpräsident Hessen
„Hessen sind freundliche Menschen. Die Hessen sind aber auch sehr offene Menschen, die auch sehr geradeaus sind. Und sie sind Menschen, die einfach das Leben genießen können und auch mal Fünfe gerade sein lassen können. Das macht die Menschen insgesamt sehr sympathisch. Und – das gilt von Nordhessen bis Südhessen – verbunden mit sehr viel guter Kulinarik. Wir feiern gerne aber wir arbeiten auch gerne.“
Bevor der Ministerpräsident seinen Arbeitstag startet, geht er joggen. Jeden Tag fünf Kilometer. Dabei kriegt er den Kopf frei. Für den 53-jährigen ein notwendiger Ausgleich, denn er gibt zu; ab und zu sündige ich.
Boris Rhein, (CDU), Ministerpräsident Hessen
„Ich esse gerne, ich esse gerne Fleisch. Ich esse gerne auch Gegrilltes. Und ein Glas Wein aus dem Rheingau ist natürlich immer auch dabei. Also bin da manchmal etwas unvorsichtig, was die Lebensweise betrifft. Aber ich glaube am Ende, man kann das wieder gut machen, indem man kräftig Sport treibt.
Beim Sport trägt Boris Rhein dann oft diese Kopfhörer. Denn der gebürtige Frankfurter hört gerne laut Musik. Sehr laut.
Boris Rhein, (CDU), Ministerpräsident Hessen
„Also ich höre in der Tat sehr gerne klassische Musik und insbesondere, kräftige klassische Musik. Bruckner oder Mahler oder Beethoven. Ich hab selbst ein Orchesterinstrument gelernt. Hab in nem Schulorchester immer gespielt, in den Schulorchestern meiner Schule.“
Das Waldhorn spielt der Ministerpräsident heute allerdings nicht mehr. In so manch einer Plenardebatte im Landtag ist ja auch genug Musik drin.
Boris Rhein, (CDU), Ministerpräsident Hessen
„Manchmal ist es ein sehr kleines, sehr feines – auch auf nem hohen Niveau spielendes – Quartett. Und manchmal ist es schon eine ganz schöne Kakophonie. Aber das ist glaub ich ganz normal und das muss ein Parlament auch für sich entscheiden können, auf welcher Tonart und in welcher Massivität es spielt. Und in welcher Feinheit es spielt. Das hat glaub ich auch sehr viel mit Themen und auch mit den einzelnen Orchestermitgliedern zu tun.“
Als Ministerpräsident muss Boris Rhein der Dirigent sein, damit das Landesregierungsorchester im Einklang spielt – mindestens bis zur nächsten Landtagswahl.
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Dieterle:
Und jetzt ist er hier bei mir im Studio: Boris Rhein. Schön, dass Sie da sind. Herzlich willkommen.
Boris Rhein, (CDU), Ministerpräsident Hessen:
Guten Tag, Frau Dieterle.
Dieterle:
Herr Rhein, um gleich mal im Bild zu bleiben: Wer spielt denn bei Ihnen die erste Geige? Ist es die Familie? Ist es die Politik? Oder sind es manchmal vielleicht auch Sie selbst?
Rhein:
Nein, das ist ganz eindeutig meine Familie. Meine Familie ist ganz wichtig für mich. Das ist sozusagen mein Ort, der mich stärkt und der mir auch Erdung gibt.
Dieterle:
Und wenn Sie sich entscheiden dürfen, wem Sie gerne mal den Marsch blasen würden, wer wäre das?
Rhein:
Och, da fallen mir schon sehr viele ein. Das tun wir ja auch oft im Parlament, uns gegenseitig den Marsch zu blasen. Am liebsten natürlich der Opposition. Aber die Opposition bläst natürlich auch uns ganz kräftig den Marsch.
Dieterle:
Ja, der Ton in der Politik, der wird immer mal wieder rauer. Das erlebt gerade auch die Bundesregierung. Wir beginnen mit einem ganz aktuellen Thema, in dem viele sehr viel mehr sehen als einfach nur eine geplatzte Richterwahl. Viele sehen die erste handfeste Krise der Regierungskoalition und das gerade mal zehn Wochen nach Amtsantritt.
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Krise, Eklat, Desaster. Es war ein denkwürdiger Freitag im Bundestag.
Auf dem Programm: Die Wahl von drei neuen Bundesverfassungsrichtern. Eine von ihnen: Frauke Brosius-Gersdorf. Vorgeschlagen von der SPD. Schon lange war ihre Wahl mit der Union abgesprochen.
Doch in der vergangenen Woche wird immer mehr Kritik an der Jura-Professorin öffentlich. Auch innerhalb der Unionsfraktion stufen viele ihre Positionen als zu links ein.
Kurz vor der Abstimmung am Freitag wird der Fraktionsführung klar: Zu viele Mitglieder werden der Professorin ihre Stimme verweigern. Die Richterwahl wird abgesagt.
WIE groß der Widerstand in der eigenen Fraktion ist, das hatte sowohl Bundeskanzler Friedrich Merz als auch Fraktionschef Jens Spahn unterschätzt. Beide hatten zuvor um Zustimmung für Brosius-Gersdorf geworben. Ohne Erfolg.
Britta Haßelmann (Bündnis 90 / Die Grünen), Fraktionsvorsitzende, am 11.7.25
„Es ist eine unverantwortliche Situation in die Sie, Jens Spahn, uns gebracht haben.“
Deutliche Kritik an Spahn. Kritik, für die es Applaus aus den Reihen der Grünen gibt, aber auch Teile der SPD klatschen mit. Eiszeit zwischen den Koalitionspartnern.
Lars Klingbeil (SPD), Finanzminister, am 11.7.25
„Ich will für mich die Erwartung sehr klar formulieren: Dass Führung und Verantwortung nichts sind für Sonntagsreden, sondern wenn hier strittige Abstimmungen sind, dann muss es Führung und Verantwortung auch geben.“
Führung und Verantwortung. Das erwarten die Bürger von der gesamten schwarz-roten Bundesregierung. Doch Fakt ist: Die Koalition steckt in der Krise


