Sommerinterview mit Boris Rhein (CDU)

Die CDU ist die Kanzlerpartei, die sowohl im Bund als auch in Hessen mit der SPD regiert. Doch auf Bundesebene brodelt es jetzt gewaltig. “Kanzler in der Krise” lauten die Schlagzeilen.

Eva Dieterle, Moderatorin:
Über die Gründe sprechen wir gleich. Doch zuvor haben wir den Ministerpräsidenten zu einem Fotoshooting in der Staatskanzlei getroffen. Und auch er hat für ihn persönlich wichtige Gegenstände mitgebracht. Die exklusiven Einblicke gibt es jetzt.
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Als Regierungschef von Hessen bringt Boris Rhein zum Shooting das Wappentier seines Bundeslandes mit. Den Löwen. Dieser Hessenlöwe ist sogar ein ganz besonderes Modell aus Höchster Porzellan. Der Löwe symbolisiert Stärke, Schönheit und auch Mut – so nimmt der Ministerpräsident auch die Hessen wahr.
Boris Rhein, (CDU), Ministerpräsident Hessen
„Hessen sind freundliche Menschen. Die Hessen sind aber auch sehr offene Menschen, die auch sehr geradeaus sind. Und sie sind Menschen, die einfach das Leben genießen können und auch mal Fünfe gerade sein lassen können. Das macht die Menschen insgesamt sehr sympathisch. Und – das gilt von Nordhessen bis Südhessen – verbunden mit sehr viel guter Kulinarik. Wir feiern gerne aber wir arbeiten auch gerne.“
Bevor der Ministerpräsident seinen Arbeitstag startet, geht er joggen. Jeden Tag fünf Kilometer. Dabei kriegt er den Kopf frei. Für den 53-jährigen ein notwendiger Ausgleich, denn er gibt zu; ab und zu sündige ich.
Boris Rhein, (CDU), Ministerpräsident Hessen
„Ich esse gerne, ich esse gerne Fleisch. Ich esse gerne auch Gegrilltes. Und ein Glas Wein aus dem Rheingau ist natürlich immer auch dabei. Also bin da manchmal etwas unvorsichtig, was die Lebensweise betrifft. Aber ich glaube am Ende, man kann das wieder gut machen, indem man kräftig Sport treibt.
Beim Sport trägt Boris Rhein dann oft diese Kopfhörer. Denn der gebürtige Frankfurter hört gerne laut Musik. Sehr laut.
Boris Rhein, (CDU), Ministerpräsident Hessen
„Also ich höre in der Tat sehr gerne klassische Musik und insbesondere, kräftige klassische Musik. Bruckner oder Mahler oder Beethoven. Ich hab selbst ein Orchesterinstrument gelernt. Hab in nem Schulorchester immer gespielt, in den Schulorchestern meiner Schule.“
Das Waldhorn spielt der Ministerpräsident heute allerdings nicht mehr. In so manch einer Plenardebatte im Landtag ist ja auch genug Musik drin.
Boris Rhein, (CDU), Ministerpräsident Hessen
„Manchmal ist es ein sehr kleines, sehr feines – auch auf nem hohen Niveau spielendes – Quartett. Und manchmal ist es schon eine ganz schöne Kakophonie. Aber das ist glaub ich ganz normal und das muss ein Parlament auch für sich entscheiden können, auf welcher Tonart und in welcher Massivität es spielt. Und in welcher Feinheit es spielt. Das hat glaub ich auch sehr viel mit Themen und auch mit den einzelnen Orchestermitgliedern zu tun.“
Als Ministerpräsident muss Boris Rhein der Dirigent sein, damit das Landesregierungsorchester im Einklang spielt – mindestens bis zur nächsten Landtagswahl.
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Dieterle:
Und jetzt ist er hier bei mir im Studio: Boris Rhein. Schön, dass Sie da sind. Herzlich willkommen.
Boris Rhein, (CDU), Ministerpräsident Hessen:
Guten Tag, Frau Dieterle.
Dieterle:
Herr Rhein, um gleich mal im Bild zu bleiben: Wer spielt denn bei Ihnen die erste Geige? Ist es die Familie? Ist es die Politik? Oder sind es manchmal vielleicht auch Sie selbst?
Rhein:
Nein, das ist ganz eindeutig meine Familie. Meine Familie ist ganz wichtig für mich. Das ist sozusagen mein Ort, der mich stärkt und der mir auch Erdung gibt.
Dieterle:
Und wenn Sie sich entscheiden dürfen, wem Sie gerne mal den Marsch blasen würden, wer wäre das?
Rhein:
Och, da fallen mir schon sehr viele ein. Das tun wir ja auch oft im Parlament, uns gegenseitig den Marsch zu blasen. Am liebsten natürlich der Opposition. Aber die Opposition bläst natürlich auch uns ganz kräftig den Marsch.
Dieterle:
Ja, der Ton in der Politik, der wird immer mal wieder rauer. Das erlebt gerade auch die Bundesregierung. Wir beginnen mit einem ganz aktuellen Thema, in dem viele sehr viel mehr sehen als einfach nur eine geplatzte Richterwahl. Viele sehen die erste handfeste Krise der Regierungskoalition und das gerade mal zehn Wochen nach Amtsantritt.
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Krise, Eklat, Desaster. Es war ein denkwürdiger Freitag im Bundestag.
Auf dem Programm: Die Wahl von drei neuen Bundesverfassungsrichtern.  Eine von ihnen: Frauke Brosius-Gersdorf. Vorgeschlagen von der SPD. Schon lange war ihre Wahl mit der Union abgesprochen.
Doch in der vergangenen Woche wird immer mehr Kritik an der Jura-Professorin öffentlich. Auch innerhalb der Unionsfraktion stufen viele ihre Positionen als zu links ein.
Kurz vor der Abstimmung am Freitag wird der Fraktionsführung klar: Zu viele Mitglieder werden der Professorin ihre Stimme verweigern. Die Richterwahl wird abgesagt.
WIE groß der Widerstand in der eigenen Fraktion ist, das hatte sowohl Bundeskanzler Friedrich Merz als auch Fraktionschef Jens Spahn unterschätzt. Beide hatten zuvor um Zustimmung für Brosius-Gersdorf geworben. Ohne Erfolg.
Britta Haßelmann (Bündnis 90 / Die Grünen), Fraktionsvorsitzende, am 11.7.25
„Es ist eine unverantwortliche Situation in die Sie, Jens Spahn, uns gebracht haben.“
Deutliche Kritik an Spahn. Kritik, für die es Applaus aus den Reihen der Grünen gibt, aber auch Teile der SPD klatschen mit. Eiszeit zwischen den Koalitionspartnern.
Lars Klingbeil (SPD), Finanzminister, am 11.7.25
„Ich will für mich die Erwartung sehr klar formulieren: Dass Führung und Verantwortung nichts sind für Sonntagsreden, sondern wenn hier strittige Abstimmungen sind, dann muss es Führung und Verantwortung auch geben.“
Führung und Verantwortung. Das erwarten die Bürger von der gesamten schwarz-roten Bundesregierung. Doch Fakt ist: Die Koalition steckt in der Krise

 

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Dieterle:
Herr Rhein, zehn Wochen arbeitet die neue Bundesregierung zusammen, jetzt diese Schlagzeilen. Bundeskanzler Friedrich Merz hat in seinem Sommerinterview versucht, das Ganze schönzureden. Tun Sie das heute auch?
Rhein:
Ach, na ja, schönreden kann man es nicht. Es ist jetzt kein Preis der Eleganz, den man damit gewinnen konnte. Aber am Ende – das ist keine Krise, es ist keine Staatskrise. Das kann immer mal passieren, insbesondere bei den schwierigen Mehrheitsverhältnissen im Deutschen Bundestag und bei der Tatsache, dass man eine Zweidrittelmehrheit ja erreichen muss. Das ist einfach eine schwierige neue Lage. Nochmal: kein Preis der Eleganz, aber auch kein Desaster. Ich finde, das ist alles ein bisschen überhoben. Zwei Richter hätte man im Übrigen ja auch wählen können. Da gab es ja große Einigkeit.
Dieterle:
Okay, wir schauen mal weiter. Es gab nämlich durchaus viel Kritik, auch zum Beispiel vom früheren Verfassungsrichter, saarländischen Ministerpräsidenten von der CDU, Peter Müller. Er hat Unionsfraktionschef Jens Spahn scharf kritisiert. Wir hören mal, was er gesagt hat.
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Peter Müller, ehemaliger Verfassungsrichter
„So etwas darf nicht passieren (…) Dies ist ein eklatantes Führungsversagen der Union.“
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Dieterle:
Das klingt doch ein bisschen schärfer.
Rhein:
Ach, ich finde es immer ganz gut, wenn die Ehemaligen sich ein bisschen zurückhalten. Auch wenn Peter Müller ein starker Typ ist, aber am Ende …
Dieterle:
Weil es unangenehm ist?
Rhein:
Nein, weil ich finde, man muss immer die Aktiven … Ich finde, wenn man Ehemaliger ist, dann sollte man ein bisschen Zurückhaltung üben. Das gehört sich einfach so, aber Schwamm drüber. Natürlich ist es nicht gut gelaufen, da wollen wir uns ja gar nichts vormachen. Aber es ist kein eklatantes Führungsversagen, sondern es ist einfach eine ganz neue, ganz schwierige Situation, die es früher ja so nicht gegeben hat, weil man einfach ganz andere Mehrheiten hatte und ganz andere Kräfteverhältnisse, die gibt es so jetzt nicht mehr im Deutschen Bundestag. Und deswegen wird das möglicherweise auch ein Thema sein, über das wir diskutieren müssen, ob man Verfassungsrichter mit einfacher Mehrheit wählen kann.
Dieterle:
Jetzt ist es in diesem Fall ja aber im Prinzip gar nicht an der Mehrheit gescheitert, sondern an Absprachen, die nicht funktioniert haben. Koalitionen, Sie wissen das aus Hessen, funktionieren nur, wenn sich die Fraktionsspitzen aufeinander verlassen können und auch auf Absprachen. Genau das ist ja hier nicht passiert. Wie soll das zukünftig weitergehen?
Rhein:
Weil ich glaube, das ist ein Fall, aus dem man eben lernen kann, dass man gewisse Zusagen erst gibt, wenn man sich hundertprozentig sicher ist, dass wirklich alle stehen. Und da hat Friedrich Merz schon recht. Also Abgeordnete sind frei gewählte Abgeordnete. Denen kann man nicht einfach einen Befehl erteilen, den oder die oder was auch immer zu wählen, sondern die haben ihren eigenen Kopf und das muss auch so sein.
Dieterle:
Aber ist es nicht trotzdem so, dass ein Fraktionschef dafür sorgen sollte, dass seine Leute hinter ihm stehen?
Rhein:
Ja, grundsätzlich schon. Aber hin und wieder gibt es auch eine Fehleinschätzung, ob die Mehrheit steht oder ob die Mehrheit nicht steht. Und in diesem Fall war es einfach eine Fehleinschätzung. Und um das zu vermeiden, muss man es einfach noch genauer abklopfen, muss man noch genauer sein. Und jetzt muss man einfach die Zeit der vor uns liegenden Wochen, der sogenannten Sommerpause nutzen, um wirklich die Dinge zu bereinigen und dann in ein geordnetes Verfahren gehen.
Dieterle:
Wir haben noch ein weiteres Zitat für Sie. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier hat sich auch zu Wort gemeldet. Er hält die schwarz-rote Regierungskoalition jetzt nach dieser verschobenen Wahl der Verfassungsrichter für “beschädigt”. Also er sieht es auch deutlich kritischer als das, was Sie beschrieben haben.
Rhein:
Nein, beschädigt ist die schwarz-rote Koalition auf Bundesebene überhaupt gar nicht. Die sind ja 66, 67, 68 Tage im Amt. Wenn man sich mal anschaut, was in dieser Zeit schon geschehen ist, ein echter Politikwechsel, der stattgefunden hat bei der Migration, bei der Wirtschaft, bei der inneren Sicherheit, das ist genau das, auf das es ankommt. Und das ist das, was die Bürgerinnen und Bürger auch wollen, ein Politikwechsel. Und der hat jetzt stattgefunden.
Dieterle:
Wenn wir noch mal beim Fall Frau Brosius-Gersdorf bleiben, dann ist da ja noch nichts entschieden. Wäre sie denn jetzt für Sie noch eine geeignete Kandidatin? Im Paket hatten Sie sich ja durchaus dafür ausgesprochen vor kurzem. Ist sie noch eine geeignete Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht?
Rhein:
Ja, das muss jetzt auf Bundesebene die Koalition entscheiden.
Dieterle:
Und wenn ich Sie frage?
Rhein:
Ich kann das nicht entscheiden. Ich will das auch nicht entscheiden. Das ist auch nicht mein Zuständigkeitsbereich. Wir wählen auf der Ebene des Bundesrates die Verfassungsrichter. Und deswegen finde ich es auch nicht richtig, wenn wir jetzt dem Bundestag reinreden würden, was aus deren Sicht richtig oder falsch sein müsste, sondern das entscheiden wir für uns selbst.
Rhein:
Und das muss insbesondere auch die Kandidatin selbst für sich entscheiden, ob sie diesen Weg gehen will.
Dieterle:
Sie haben die schwierige Mehrheitsfindung schon einige Male angesprochen. Zum Beispiel bei der geplanten Reform der Schuldenbremse wird das auch wieder zum Tragen kommen. Die steht im Koalitionsvertrag. Aber auch hier brauchen Sie eine Zweidrittelmehrheit. Und wir sehen hier gerade mal auf der Grafik, wie schwer das werden dürfte. Denn die schwarz-rote Regierungskoalition bräuchte neben den Stimmen der Grünen dafür auch die Unterstützung entweder von den Linken oder von der AfD. Für beide Parteien hat die Union einen Unvereinbarkeitsbeschluss. Wie soll das funktionieren?
Rhein:
Ja, das ist in der Tat die neue Lage im Deutschen Bundestag. Das macht es unglaublich schwierig. Wir stellen Dinge zur Abstimmung und wir werden Vorschläge machen und dann muss man schauen, wie sie ihre Mehrheit finden. Und wir können uns nicht davon abhängig machen, ob wir etwas zur Abstimmung stellen, wer dann zustimmt. Das ist, glaube ich, ganz normales, demokratisches Verfahren.
Dieterle:
Was halten Sie von dem Vorschlag Ihres Ministerpräsidenten-Kollegen aus Schleswig-Holstein, Daniel Günther, der sagt: Man muss ja über den Unvereinbarkeitsbeschluss mit den Linken noch mal nachdenken, den beenden.
Rhein:
Also ich bin grundsätzlich sehr einig mit Daniel Günther. Ein guter Freund von mir. Aber mit der Linken zusammenzuarbeiten, ist für mich völlig außerhalb jeglicher Vorstellungswelt.
Dieterle:
Mit der AfD ja aber auch.
Rhein:
Mit der AfD ist für mich auch völlig außerhalb der Vorstellung …
Dieterle:
Aber wie soll’s dann funktionieren?
Rhein:
Wie gesagt, wir stellen unsere Vorschläge zur Abstimmung und dann wird sich zeigen, wie sich eine Mehrheit findet und wer dann unsere Vorschläge auch gut findet und denen zustimmt. Das ist also ein ganz normales Verfahren, zumal es im neuen Deutschen Bundestag eben nicht anders funktionieren wird. Ansonsten gäbe es keine Entscheidungen mehr.
Dieterle:
Herr Rhein, mit Spannung geht es bei uns weiter, denn die gibt es durchaus auch innerhalb der Regierungsparteien bei einem Thema, das uns alle betrifft und das ist die Senkung der Stromsteuer, die für alle kommen sollte, dann ist das aber nicht eingetroffen und es hat viele Menschen schwer enttäuscht.
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Im Koalitionsvertrag haben es Union und SPD festgehalten: Unternehmen und Verbraucher sollen dauerhaft entlastet werden.
„Dafür werden wir als Sofortmaßnahme die Stromsteuer für alle auf das europäische Mindestmaß senken (…).“
Doch das „für alle“ gilt jetzt nicht mehr.
Die schwarz-rote Bundesregierung senkt die Stromsteuer doch nur für wenige Branchen. Und für Bürger gar nicht. Die Enttäuschung ist groß.
Walburga Brand, Rentnerin
„Erst große Versprechen und jetzt zum Schluss hörst du wieder nur diese, diese, diese kriegen. Die Großen kriegen wieder die Unterstützung und die Kleinen müssen wieder sehen, wie sie mit dem Geld zurechtkommen.“
Anna-Viktoria Sawada, Schülerin
„Ich finde das richtig kacke um ehrlich zu sein. Ich bin selber davon betroffen, habe eine eigene Wohnung und würde mir schon wünschen, dass die Strompreise gesenkt werden, auch für alle anderen.“
Von vielen Seiten hagelt es Kritik. Von Verbrauchern, Verbänden, der Opposition – aber auch aus den Reihen der schwarz-roten Regierungskoalition selbst.
Viele Ministerpräsidenten, unter ihnen auch unser heutiger Studiogast, fordern weiterhin: Die Senkung der Stromsteuer für alle muss kommen.
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Dieterle:
Her Rhein, Sie haben sich als einer der ersten da sehr deutlich gegen den Kanzler positioniert, haben Druck gemacht. Aber passiert ist weiter nichts.
Rhein:
Man muss zunächst einmal sehen: Natürlich steht in dem Koalitionsvertrag auch alles unter Finanzierungsvorbehalt.
Dieterle:
Aber dann muss man nichts umsetzen.
Rhein:
Ja, aber wir sind einer unglaublich schwierigen Haushaltslage. Das muss ich auch anerkennen. Und trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass dieser Schritt der Senkung der Stromsteuer für alle jetzt sofort kommt. Jetzt ist es so, dass wir schon und das ist auch der Koalitionsbeschluss ja gewesen, beispielsweise durch den Wegfall der Gasumlage erhebliche Ersparnisse für Bürgerinnen und Bürger haben, was Energiekosten betrifft. Aber dieser Schritt ist jetzt eben im Augenblick nicht finanzierbar. Und deswegen ist meine feste Überzeugung, er wird kommen müssen. Wir werden jetzt darüber diskutieren müssen, innerhalb der Koalition, auch mit dem Bundeskanzler, wann das möglich ist. Und ich sage: Am besten ist natürlich – und da wird die Frage sich stellen: Wie wollen wir es bezahlen? Und da will ich Ihnen sehr deutlich sagen: Wir haben derzeit eine Situation, wo wir zu viel Wohlfahrt und zu wenig Wohlstand haben. Das bedeutet, wir müssen die Menschen … wir müssen die Sozialkosten runter bringen. Und das bedeutet, wir müssen die Menschen wieder in Arbeit bringen. 100.000 in Arbeit bedeuten 3 Milliarden Ersparnisse. Das zeigt doch, was derzeit alles möglich ist. Und darüber werden wir diskutieren müssen in den nächsten Monaten.
Dieterle:
Jetzt denkt man natürlich, wenn so was in einen Koalitionsvertrag geschrieben wird, dann wurde da bereits diskutiert. Denn die finanzielle, die wirtschaftliche Lage, die war ja zu diesem Zeitpunkt schon bekannt. Jetzt werden erst mal wieder nur Gespräche geführt.
Rhein:
Ja, jetzt ist es natürlich so, dass A und O für uns ist, dass Wachstum wiederkommt, dass das Wachstum anspringt. Wenn das Wachstum nicht anspringt, dann werden unsere Haushalte nicht aus dem Schlamassel rauskommen, in dem sie derzeit sind. Wir haben kaum Handlungsspielräume, weil uns einfach das Geld fehlt. Und deswegen muss das Wachstum anspringen. Und deswegen haben wir gesagt: In einem ersten Schritt machen wir jetzt einen Investitionsbooster, Degressive AfA gehört dazu, also Abschreibungsmöglichkeiten. Dazu gehören Steuersenkungen. Seit 20 Jahren werden die Steuern wieder gesenkt. Das hat es seit 20 Jahren eben nicht gegeben. Das ist die Grundvoraussetzung für alles, was wir uns leisten können danach. Und deswegen ist das jetzt der erste Schritt, den wir gehen. Und dann kommen die nächsten Schritte. Und dazu wird auch dann die Stromsteuer gehören müssen.
Dieterle:
Für die Menschen ist es nicht zu verstehen oder nicht nachzuvollziehen, dass die Bundesregierung ein XXL-Schuldenpaket aufnimmt und dann scheitert es an diesen 5 Milliarden € für die Stromsteuer. Das ist nicht nachvollziehbar.
Rhein:
Ja, aber am Ende ist es natürlich so, dass zu wenig Geld vorhanden ist. Deswegen müssen ja jetzt auch Schulden aufgenommen werden, um das Land wieder voranzubringen, um zu investieren. Und das ist meine feste Überzeugung.
Dieterle:
Aber ist es dieser kleine Punkt oder dieser relativ kleine Punkt wert, so viele Menschen gleich zu Beginn so gegen sich aufzubringen?
Rhein:
Wie gesagt, es ist auch eine Frage “Was geht einfach noch?” und der Haushalt ist mittlerweile so auf Kante genäht … Ich weiß, das kann man sich bei diesen großen Mengen und bei diesen großen Zahlen gar nicht vorstellen, aber der Haushalt ist so auf Kante genäht und solange wir so viele weitere Kosten beispielsweise im Sozialbereich haben oder auch durch Migration haben, können wir uns das ein oder andere nicht leisten. Deswegen müssen wir jetzt einen Schritt nach dem anderen gehen. Wir müssen erst die Wirtschaft wieder voranbringen. Dann müssen wir beispielsweise auch die Migrationsfragen sehr strikt klären, wo wir gerade dran sind. Und dann wird es uns auch wieder besser gehen. Dann werden wir auch solche Dinge wieder tun können.
Dieterle:
Wir haben jetzt viel über bundespolitische Themen gesprochen, die zweifelsohne Einfluss auch auf die Menschen in Hessen haben. Wir wollen aber noch mal ganz unmittelbar auch ins Land schauen, und da braut sich Widerstand gegen die Landesregierung zusammen. Stichwort Hochschulpakt. Gerade heute hat es wieder Demonstrationen gegeben.
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„Bildung ist kein Sparmodell“ – unter diesem Motto haben heute in Wiesbaden Studierende und Bedienstete verschiedener hessischer Hochschulen gegen die Sparpläne der hessischen Landesregierung demonstriert. Es geht um den Hochschulpakt für die Jahre 2026 bis 2031. Die Hochschulen befürchten finanzielle Kürzungen, die zu einem Defizit von bis zu einer Milliarde Euro führen könnten. Das hätte schwerwiegende Folgen.
Prof. Dr. Thomas Nauss, Präsident Philipps-Universität Marburg
„Wir werden auf jeden Fall auch an den Personalkosten sparen müssen. Und das wirkt sich natürlich unmittelbar aus auf die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit, das heißt auf die Forschung, auf die Förderung der Kunst bei den Kunsthochschulen und natürlich auch auf die Studiengänge.“
Eine auskömmliche Finanzierung der Hochschulen, wie es die schwarz-rote Landesregierung auch in ihrem Koalitionsvertrag versprochen hat, sei also unverzichtbar, um konkurrenzfähig zu bleiben.
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Dieterle:
Herr Rhein, am Donnerstag wird der Hochschulpakt unterzeichnet. Können Sie den Hochschulen denn noch Hoffnung machen, dass sich da finanziell noch was tut?
Rhein:
Ja, ich bin sehr optimistisch, dass ein Hochschulpakt unterzeichnet wird. Der Hochschulpakt ist eine große Sicherheit für die Hochschulen, und deswegen bin ich ziemlich sicher, dass die Hochschulen den Hochschulpakt unterzeichnen werden. Aber ich will mal Folgendes sagen: Wir haben ja einen Haushalt vor uns, der dazu führen wird, dass wir enorm sparen müssen. Wir müssen enorm konsolidieren. Das hat mit den zurückliegenden drei Jahren der Ampel zu tun. Die Ampel hat das Land gegen die Wand gefahren und das hat insbesondere dazu geführt, dass die Wirtschaft am Boden ist. Und das heißt, es schlägt sich mittlerweile auch in den Landeshaushalten nieder. Und wir werden enorm sparen müssen. Und natürlich gilt das auch für die Hochschulen. Aber trotzdem ist für uns der Bereich Wissenschaft und Forschung nach wie vor ein ganz wichtiger Bereich, in den wir das investieren und zwar massiv investieren.
Dieterle:
Wir haben es aber in den vergangenen Wochen erlebt, da gehen Hochschulen, Studierende, Gewerkschaften auf die Straße und sagen: “Die Pläne der Landesregierung, die werden dem Hochschulstandort Hessen einen Schaden zufügen”. Und wenn man es weiterspinnt, dann auch dem Wirtschaftsstandort Hessen. Denn Fachkräfte werden ja jetzt schon händeringend gesucht. Das nehmen Sie aber in Kauf mit dem neuen Hochschulpakt.
Rhein:
Nein, das kann man noch gar nicht sagen. Und ich glaube, dass es auch völlig verfrüht, solche Demonstrationen durchzuführen. Es ist das gute Recht der Studierenden, das zu tun. Aber Sie wissen ja noch gar nicht, was in dem Hochschulpakt steht und welche Zahlen in dem Hochschulpakt stehen.
Dieterle:
Aber Sie befürchten Kürzungen im Rahmen von einer Milliarde Euro.
Rhein:
Ja, die Zahl 1 Milliarde ist eine gegriffene Zahl, woher sie auch immer kommt. Also die ist noch gar nicht hinterlegt. Wie gesagt, die Verhandlungen dauern ja an, die Gespräche dauern an, am Ende wird es eine sichere, eine gute Grundlage für Wissenschaft und Forschung in Hessen geben. Dafür haben in den zurückliegenden Jahren ja auch gesorgt, dass das ein wirklich enorm ausgebauter Bereich ist, einer der am besten finanzierten Bereiche, und wir werden auch hier weiterhin Sorge dafür tragen, dass entsprechend wir unserer Verantwortung nachkommen, wirklich in die Bildung und in die Wissenschaft zu investieren.
Dieterle:
Wir werden das weiter beobachten, Herr Rhein. Wir sind damit quasi mit dem politischen Teil jetzt so gut wie durch. Wir kommen jetzt noch zu einer schnelleren Runde. Sie bekommen von mir Begriffe, ich von Ihnen Ihre spontan erste Assoziationen dazu. – “Lachflash”. Sie sind jemand, der gern lacht.
Rhein:
Ja, ich lache gern, aber Lachflashs hatte ich, glaube ich, so nicht. Ich habe kenne in meinem privaten Umfeld Menschen, die Lachflash haben, aber da fällt mir nicht so sonderlich viel dazu ein.
Dieterle:
“Motivationstief”. Gibt’s das bei Ihnen?
Rhein:
Ja, habe ich. Aber nur dann, wenn besonders schlechtes Wetter ist, wenn es durchregnet und wenn es ganz grau ist.
Dieterle:
“Stille”.
Rhein:
Stille tut manchmal sehr gut.
Dieterle:
Haben Sie zu selten wahrscheinlich, oder?
Rhein:
Sehr, sehr selten. Aber umso mehr genieße ich Stille.
Dieterle:
“007”.
Rhein:
Ich bin ein ganz großer James-Bond-Fan. Ich bin ein großer Roger-Moore-Fan. Die meisten sind ja Sean- Connery-Fans. Ich kenne alle 007s und ich warte auf den neuen James Bond und bin gespannt, wer dann James Bond ist, ob es eine Frau ist, wer die Rolle spielen wird. Das wird noch eine tolle Sache werden.
Dieterle:
Könnten Sie sich eine Frau gut vorstellen?
Rhein:
Ja, Ich kann mir auch eine Frau gut vorstellen. Ich sage mal, es muss einfach die Anmutung, der Stil und die Atmosphäre von James-Bond-Filmen erhalten bleiben. Und ob das eine Frau oder ein Mann ist, da bin ich verhältnismäßig entspannt.
Dieterle:
“Montagmorgen”.
Rhein:
Montag ist nicht mein bevorzugter Tag, aber irgendwie muss man reinkommen. Und an den Montagen haben wir insbesondere unsere ganzen Runden – Koalitionsrunden, Abstimmungsrunden, Kabinett und und und. Muss auch sein.
Dieterle:
“Formel 1”.
Rhein:
Ich bin ein großer Autofan. Und deswegen finde ich faszinierend, was in der Formel 1 möglich ist, was da für eine Kraft dahinter steckt. Was da insbesondere auch für eine tolle Technik dahinter steckt. Ist einr tolle Sache, die Formel 1.
Dieterle:
Okay, und ein letztes noch: “Schlussstrich”.
Rhein:
Irgendwann muss man einen Schlussstrich ziehen. Und ich hatte vorhin über Ehemalige gesprochen und das muss man einfach auch hinbekommen, dass man sich nicht mehr in … sodass man den Schlussstrich zieht und sich sozusagen nicht mehr in die Politik der Aktiven einmischt. Und das möchte ich, wenn ich irgendwann einen Schlussstrich ziehe, auch genauso halten.
Dieterle:
Da schließt sich ja bei uns der Kreis. Wir ziehen jetzt auch einen Schlussstrich, aber, Herr Rhein. auch Sie bekommen natürlich aus unserem Shooting ein Bild. Ich hab’e genannt: “Die Unzertrennlichen”.
Rhein:
Das ist ja toll.
Rhein:
Wunderbar. Ist ja großartig. Danke schön
Dieterle:
Hoffentlich finden Sie einen schönen Platz und vielen Dank, dass Sie sich den Fragen gestellt haben.
Rhein:
Ich bedanke mich bei Ihnen sehr.