Informatik als Pflichtfach
Wie funktioniert eigentlich mein Smartphone? Was sind Algorithmen? Wofür kann ich Künstliche Intelligenz einsetzen? Alles Fragen, die in Informatik beantwortet werden. Bislang gehörte Rheinland-Pfalz zu den sieben Bundesländern, in denen Informatik kein reguläres Schulfach war. Das ändert sich ab dem neuen Schuljahr Mitte August. Dann wird das Fach an 28 Pilotschulen verpflichtend.
Die Klasse 6A der Rheingrafen Realschule plus in Wörrstadt lernt, wie sie mit diesem kleinen Computer – dem „Calliope mini“ – LEDs zum Blinken bringt und Töne abspielt. Ein für Schulen entwickelter Mini-Computer, mit dem sich ein Grundverständnis für technische Geräte und die Grundlagen des Programmierens spielerisch vermitteln lassen. Und das kommt bei den Schülern an.
Mohammed Hasso, Klasse 6a
„Ich finde es richtig gut. Weil für mich, es hilft mir ja auch im Alltag. Und seitdem ich das gehört habe, dass man das im Beruf auch mehr braucht, weil ich höre schon von älteren Freunden von mir, dass man das mehr im Beruf braucht, dann interessiere ich mich halt hier mehr.“Merle Jung, Klasse 6a
„Ich finde es cool, weil es mir auch echt viel Spaß macht. Ich glaube, es wird mir schon sehr helfen, dass es einfach vereinfacht wird.“
An insgesamt 28 Pilotschulen, darunter auch die Rheingrafenschule, gibt es ab dem kommenden Schuljahr zusätzlich eine Stunde Informatik-Unterricht pro Woche. Nicht nur um den Umgang mit Technik zu erlernen, sondern auch, um die Medienkompetenz der Schüler zu fördern. Wie schütze ich meine Daten? Und welche Gefahren lauern hinter Social Media Plattformen wie TikTok oder Instragram?
Ilyas Elabdaoui, 9. Klasse
„Das kann auf jeden Fall jedem Schüler im Alltag helfen, weil mittlerweile gibt es ja auch viel Cybermobbing, Cyberkriminalität. Wie kann ich mich selber schützen? Wo darf ich mein Passwort eingeben? Wo darf ich es nicht eingeben? Welche Seite ist denn jetzt sicher? Und ich finde, durch diese Informatik kriegt man ein besser Bild für online, was mache ich denn da richtig?“
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rheinland-Pfalz befürwortet grundsätzlich die Einführung des neuen Fachs, sieht in der Umsetzung aber auch einige Schwächen. Vielen Schulen fehle es noch an der technischen Ausstattung und die eine zusätzliche Stunde Informatik überfordere vielerorts die bereits vorhandenen Schulkonzepte.
Christiane Herz, Vorsitzende GEW Rheinland-Pfalz
„Wir haben so viele kleinteilige Fächer, die wir in den Schulen unterrichten, die wir alle unter einen Hut bringen müssen. Wir sind der Meinung, es ist nicht sehr erfolgreich, diese einstündigen Fächer hier jetzt noch mit hineinzustopfen. Da hätten wir uns gewünscht, dass man mal grundsätzlich schaut: Was müssen Schülerinnen und Schüler heute lernen? Was brauchen wir? Was können wir vielleicht auch mal weglassen? Damit hier jetzt nicht zusätzlicher Druck und zusätzliche Anstrengungen erforderlich sind.“
Zudem fehle es schlichtweg an Lehrkräften für das Fach. Und für die zeitaufwendige Weiterbildung, müssten teilnehmende Lehrkräfte an anderer Stelle dringend entlastet werden.
Der rheinland-pfälzische Bildungsminister Sven Teuber räumt ein: 120 der rund 900 weiterführenden Schulen in Rheinland-Pfalz haben noch keinerlei Informatikangebot. Optimistisch ist er dennoch.
Sven Teuber (SPD), Bildungsminister Rheinland-Pfalz
„Wir haben eine Umfrage gemacht, an denen 400 weiterführenden Schulen in Rheinland-Pfalz teilgenommen haben. Und da haben wir Hunderte neue Lehrkräfte identifziert, die sich weiterbilden wollen. Und die werden wir jetzt motivieren, sich da zu bewerben und tatsächlich ihrem Interesse, ihrer Neugier auch Rechnung zu tragen. Wir gehen jetzt mit den 28 Schulen an den Start und die werden ganz viele andere noch motivieren mitzumachen.“


