Steht eine Rekord-Hitzewelle bevor?
Der vergangene Juni war der heißeste jemals gemessene Juni in Westeuropa -so der europäische Klimadienst Copernicus. Und man kann es sich bei dem teils nassen Wetter heute kaum vorstellen, aber: Die nächste Hitzewelle könnte schon im Anmarsch sein. Also nutzen Sie noch schnell die Gelegenheit, um zuhause mal ordentlich durchzulüften, sagt unser Wetterexperte Dominik Jung. Er schaut für uns auf das anstehende Wetter und verrät uns, ob uns in diesem Sommer nochmal eine Hitze wie letzte Woche erwartet.
Fahrbahnen brechen auf, die Zahl der Notarzteinsätze steigt. und Badeseen und Schwimmbäder verhängen Einlassstops. Temperaturen an der 40-Grad-Marke, wie vergangene Woche, bringen den Mensch und seine Umwelt an´s Limit. Und diese Hitzewelle bleibt nicht die letzte, verrät uns Wetterexperte Dominik Jung.
Dominik Jung, Diplom-Meteorologe
„Seit 25 Jahren mache ich den Job und da habe ich so große Zahlen noch nie gesehen in den Wettermodellen. Immer wieder tauchen da 40 bis 43 Grad auf, auch für Rheinland-Pfalz und Hessen. Und die tauchen jetzt schon wieder auf, in der zweiten Julihälfte vor allen Dingen. Also ich würde mal sagen, die große Hitze ist noch nicht überstanden. Die Hundstage kommen erst noch.“
Doch wie genau sind Wetterprognosen überhaupt?
Dominik Jung, Diplom-Meteorologe
„Die ersten zwei bis drei Tage haben eine Trefferquote in Sachen so 80 bis 90 Prozent. Und dann nimmt im Grunde die Trefferquote ab bei den Wetterprognosen. Ab dem Tag 10, 11, 12 haben wir immer noch eine Trefferquote von rund 50 Prozent. Das ist eben so. Mit fortlaufender Zeit, wird die Prognose ungenauer.“
Ein stabiles Hoch macht die Vorhersagen genauer, eine wechselhafte Wetterlage hingegen erschwert die Prognosen. Und egal ob deutsches Wettermodell, europäisches oder amerikanisches Modell – sie alle werten die Daten unserer Atmosphäre von unzähligen Wetterstationen für ihre Prognosen aus.
Dominik Jung, Diplom-Meteorologe
„Ein Wettermodell ist im Grunde nichts anderes, als eine große Rechenmaschine, ein großer Computer. Da sind ganz viele mathematische, physikalische Gleichungen drin. Und die Gleichungen der Physik kennt natürlich jeder Wetterdienst, sind überall gleich. Nur jeder Wetterdienst verarbeitet das ein bisschen anders. Hat anderes Know-how hinten dran. Beispielsweise ist das europäische Wettermodell besser in mittelfristigen Vorhersagen. Das heißt, Tag 3 bis 7 ist dort besser als im amerikanischen Wettermodell. Das amerikanische Wettermodell ist zum Beispiel besser beim Erkennen, das ist meine Meinung, von größeren Hitzeereignissen.“
Klar ist: Extreme Hitze kommt immer häufiger. Weil Flüsse unter Niedrigwasser leiden und Bäche auszutrocknen drohen, hat neben Kassel, Gießen und dem Werra-Meißner-Kreis, seit heute auch der Wetteraukreis bis Ende Oktober die Wasserentnahme mit Pumpen verboten.
Die Stadt Frankfurt hat hingegen ein Grillverbot verhängt, um Grünanlagen und den Stadtwald besser vor Bränden zu schützen. Doch für die Waldbrandgefahr gibt es einen noch viel größeren Faktor als die Temperatur, erklärt Dominik Jung.
Dominik Jung, Diplom-Meteorologe
„Bei 20 Grad und Trockenheit kann es genauso brennen wie bei 40 Grad und Trockenheit. Es kommt auf den Regen an. Wenn kein Niederschlag fällt, dann haben wir eine große Trockenheit und dann brauch es keine Hitze dafür. Natürlich wenn Hitze kommt, trocknet die noch mehr alles aus. Sie verstärkt dieses Austrocknen natürlich noch. Und natürlich geraten Bäume auch in einen Hitzestress. Das gilt nicht nur für die Bäume im Wald, das gilt vor allem auch für Bäume, die in Städten stehen.“


