Freiwillige helfen beim Ahrtal-Wiederaufbau

Es war die Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021. Vor vier Jahren riss die Flutkatastrophe im Ahrtal 134 Menschen in den Tod, zerstörte Tausende Häuser – Straßen und Brücken wurden weggespült. Eine Katastrophe, die in den betroffenen Orten auch heute noch zu spüren und zu sehen ist. Sachschäden von mehreren Milliarden Euro. Unterstützung beim Wiederaufbau gibt es durch das Fluthilfecamp der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Zum dritten Mal sind die Teilnehmer im Einsatz.

Für zwei Wochen sind sie ins Ahrtal gekommen. Insgesamt über 300 Jugendliche aus ganz Deutschland. Aktive und ehemalige Teilnehmer der Jugendbauhütten. So heißt das Projekt des Freiwilligen Sozialen Jahrs der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Mit einem Fluthilfecamp helfen sie beim Wiederaufbau, zum Beispiel in Insul, einem kleinen Ort im oberen Ahrtal.
Isabel Hauck, Teilnehmerin des Fluthilfecamps
„Ich komme aus der Jugendbauhütte Ost-Westfalen. Und ich mache das FSJ, um Erfahrungen zu sammeln und um eben meine Richtung zu finden, in welchem handwerklichen Beruf ich arbeiten möchte. Und nach dem FSJ mache ich auch eine Ausbildung zur Tischlerin.“
Gearbeitet wird an durch die Flut schwer beschädigten historischen Gebäuden. Oskar Sibbe hat 2022 sein Freiwilliges Soziales Jahr bei den Jugendbauhütten absolviert. Seitdem kommt er jedes Jahr aus Berlin an die Ahr.
Oskar Sibbe, Teilnehmer des Fluthilfecamps
„Menschlich einfach, ich glaube, dass man was Gutes tut. Also man sieht, dass die Leute sehr glücklich sind. Man baut ihnen ihr hart erarbeitetes Zuhause auf. Und es ist halt einfach schön, dass die Leute wieder was haben, wo sie wohnen können, wo sie sich zu Hause fühlen. Und handwerklich, man lernt ganz viel über das Handwerk. Ich habe zum Beispiel noch nie mit Lehm gearbeitet.“
In Insul bauen die Jugendlichen drei Fachwerkhäuser wieder auf. Die Ahr hat hier vor vier Jahren die Straßen geflutet. Nach der Katastrophe verteilen die Denkmalschützer Flyer, bieten ihre Unterstützung an. Ein Glücksfall für Gabi Franke und ihr beschädigtes Zuhause.
Gabi Franke
„Wahnsinnig wichtig. Ich finde das so toll. Also ich war total begeistert, als ich den Flyer im Briefkasten vorgefunden habe. Das Haus wäre ihnen aufgefallen und ich soll mich doch mal melden. Als dann die ersten Leute kamen, die zeigten sich so begeistert. Da war ich dann auch wieder direkt Feuer und Flamme. Und hab gedacht: Toll, dass die das jetzt machen wollen, finde ich einfach nur überwältigend.“
Unbürokratische, qualifizierte Hilfe. Oskar Sibbe und die anderen Teilnehmer des Fluthilfecamps werden von Profihandwerkern unterstützt. Gearbeitet wird in diesem Jahr auf 20 Baustellen. Seit drei Jahren helfen die Denkmalretter beim Wiederaufbau.
Dr. Steffen Skudelny, Vorstand Deutsche Stiftung
„Es hat sich dann für jedes Hilfscamp insgesamt im Nachhinein eine Komplettfinanzierung durch Spenden gefunden. Anders könnten wir das nicht machen. Es gab große Spenden und kleine Spenden. Aber all das zusammen hat dazu geführt, dass wir diese auch nicht ganz billigen Camps haben durchführen können.“
Die Jugendlichen arbeiten, wenn möglich, mit traditionellen Techniken. Für Nina Platz aus Thüringen ist ganz klar: Das ist genau die richtige Aufgabe für sie.
Nina Platz, Teilnehmerin des Fluthilfecamps
„Ich kann den Menschen helfen, Hoffnung zurückzugewinnen, die Orte wiederzuerkennen, die sie in ihrer Kindheit schon gekannt haben, und für mich ist auch total viel dabei. Also ich kann lernen von so vielen unglaublich tollen Menschen. Hier sind 200 Leute, die alle eine Spezialfähigkeit haben. Und die kann ich alle ausquetschen. Die erzählen total gerne davon und ich kann mit Menschen zusammenarbeiten, die alle die Liebe zum Denkmal und zum Handwerk haben.“
Bis zum 20. Juli helfen die Teilnehmer des Fluthilfecamps beim Wiederaufbau der historischen Gebäude. Fachwerkhäuser, die durch die Flut der heute so idyllisch wirkenden Ahr zerstört wurden.