Alkoholprävention in der Unfallklinik

Ein bisschen zu übermütig um die Kurve fahren, für die kurze Strecke nach Hause auch nach ein paar Bier das Auto nehmen. Wie schnell ein Unfall passieren kann, darauf macht eine Kampagne der Unfallkliniken aufmerksam. Schulklassen besuchen die Kliniken – wie die in Frankfurt – und erleben, wie Schwerverletzte nach einem Verkehrsunfall versorgt werden.

Marc Zimmermann ist 45 Jahre alt und querschnittsgelähmt. Mit 29 hatte er einen Motorradunfall. Er sei in einer Kurve mit einem Fahrzeug kollidiert und dann mit dem Hals auf einen Baumstumpf geknallt, erzählt man ihm. Erinnern kann er sich daran nicht. Zwei Wochen liegt er im künstlichen Koma. Als er aufwacht, ist sein Leben ein anderes. Heute, 16 Jahre nach dem Unfall, spricht er mit Schülern der Otto-Hahn-Schule aus Hanau über seine Einschränkungen.
Marc Zimmermann
„Man muss die Jugend schon drauf sensibilisieren, dass sowas jedem passieren kann und das auch jederzeit. Man muss nur mal unaufmerksam sein, auch aufs Handy gucken oder so kann alles schon dazu führen, dass man einen Unfall hat. Man guckt aufs Handy, fährt über ne rote Ampel. Kann ja alles mal ganz schnell passieren. Was im Endeffekt der sinnloseste Unfall ist, ist unter Alkohol.“
Die Zwölftklässler schauen sich heute die einzelnen Stationen an, die ein Schwerverletzter nach einem Unfall erlebt. 3 bis 5 Minuten braucht der Krankenwagen innerhalb von Frankfurt zum Notfall.
Tobias Duderstadt, Rettungssanitäter
„Wir müssen halt gucken, Blutungsräume, wo blutest du hin? Ist irgendwas kaputt, sieht man was? Genau und dann packen wir dich ein mit dem Notarzt, der steht hinten drin in der Halle und dann geht’s in die nächst geeignete Klinik.“
Genauer: in den Schockraum. Dort zeigt Dr. Kahr den Schülern das Ultraschallgerät.
„Was könnten diese zwei dunklen sein? Und man sieht dahinter, da sehen wir gar nichts mehr. Das ist ein sogenannter Schallschatten. Das heißt, da sehen wir nicht, was dahinter ist. Das sind zwei Rippen quasi.“
Letzte Station für die Schüler: die Intensivstation. Die Station, auf der auch Marc Zimmermann vier Wochen lang nach seinem Unfall liegt.
Jugendliche seien besonders gefährdet,  sagt Professor Klug, Leitender Oberarzt.
Prof. Alexander Klug, Leitender Oberarzt, BG Unfallklinik Frankfurt
„Die, ich sag jetzt mal, die Hauptgründe sind einfach, übermütiges Verhalten, muss man fairerweise sagen. Das kann natürlich im Zusammenhang mit Alkohol und Drogen sein, aber häufig ist es einfach im Übermut, im Überschwang der Gefühle, dass man eben unvorsichtig wird, nicht richtig aufpasst und dann in einen Unfall verwickelt wird. Oder selber vielleicht sogar den Unfall verursacht.“
Die Schüler würden sich wünschen, dass solche Präventionskurse vermehrt angeboten werden.
Nea Erceg
„Also ich fand’s sehr sehr interessant zu sehen, wie sich diese Folgen ausweiten. Dass man quasi, man einen schönen Abend haben möchte und dann kommt man vielleicht auf eine blöde Idee oder sagt zu einer Sache ja und dann kommt irgendwie sowas dazwischen.“
Minou Sira Lin Mazur
„Mir waren viele Teile auf jeden Fall sehr bewusst. Ich habe eigentlich jetzt nichts ‚Neues‘ – in Anführungszeichen – jetzt so gelernt, wenn man das so sagen kann, sondern eher so das präsenter mitbekommen, was es wirklich für Folgen hat, dass durch so kleine Entscheidungen irgendwie so große Abschnitte vom Leben verwüstet werden.“
Nils Peter
„Man hat viele Eindrücke gewonnen, man schaut auch einfach mal hinter die Kulissen. Das sind Dinge, die sieht man sonst nicht. Vielleicht mal im Fernsehen aber das sind auf jeden Fall Eindrücke, die geblieben sind.“
Dass übermütiges Verhalten riskant ist, war den Jugendlichen zwar vorher schon bewusst. In Zukunft werden sie vor gefährlichen Entscheidungen aber wohl auch an Marc Zimmermann und seine Geschichte denken.
Marc Zimmermann
„Klar, fährt das im Hinterkopf mit. Man könnte ja, aber so wirklich, passiert mir ja nicht. Wird mir schon nicht passieren. Man hört zwar die Geschichten von anderen, aber mir wird das schon nicht passieren, ich komm da schon durch. Und dann ist es halt dieser eine Augenblick gewesen, wo es dann halt dann nicht mehr geklappt hat.“