Notschleusungen an defekter Moselschleuse

Vor einer Woche hat’s geknallt – an der Moselschleuse Sankt Aldegund – etwa auf halber Strecke zwischen Trier und Koblenz. Ein Kreuzfahrtschiff hatte das Schleusentor gerammt, drei Menschen wurden verletzt, der Schleusenbetrieb musste komplett eingestellt werden – viele Schiffe steckten daraufhin fest. Inzwischen läuft ein Notbetrieb. Flussabwärts relativ flüssig. Flussaifwärts Richtung Luxemburg und Frankreich ging es seit heute endlich weiter.

Doch vorher macht sich nochmal Taucher Michael Morschett ein Bild vom beschädigten Schleusentor, bevor nach dem Crash die erste sogenannte „Bergschleusung“ – also stromaufwärts – starten kann. Diese Fahrtrichtung sei komplizierter, weil dabei ein höherer Wasserdruck auf das Tor wirke. Ergebnis der Prüfung?
Michael Morschett, Tauchermeister Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn
„Es sieht ganz gut aus.“ (Sie haben jetzt erstmal den Daumen nach oben gegeben?) „Ja, genau. Daumen nach oben!“
Darüber dürften sich die mindestens 25 Schiffsführer freuen, die teilweise bis in den Rhein auf ihre Weiterfahrt flussaufwärts warten. Bislang seien rund 47 Schiffe in die andere Richtung notgeschleust worden.
Eines davon Übeltäterin „Elegant Lady“ – mit ihrer ganz unpassend zum Namen sichtbar ramponierten Schiffsnase.
Während des gesamten Notbetriebs soll das Schleusentor nun genauestens kontrolliert werden. Die Folge: Verzögerungen aber zumindest kein kompletter Kollaps.
Tobias Schmidt, Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn
„Wir wollen einfach sicher sein, dass keine Veränderungen am Tor auftreten. Keine Risse entstehen, keine weiteren Verformungen entstehen und deswegen werden wir optisch nach jeder Schleusung gucken. Wir haben so Zeiger auf dem Tor angebracht, ob es Verformungen gibt. Und in gewissen Abständen wahrscheinlich wöchentlich auch die Taucher nochmal reinholen, dass die uns auch alle anderen Bereiche mit begutachten.“
Der Unfall weckt Erinnerungen. Schon im vergangenen Dezember war ein Schiff gegen ein Schleusentor auf der Mosel bei Müden gefahren und hatte Schiffsverkehr und Lieferketten durcheinander gebracht. Wie die Schleuse Müden verfügt die Schleuse St. Aldegund nur über eine Kammer. Betroffene Unternehmer fordern deshalb schon länger einen Ausbau der Moselschleusen, ebenso wie die zuständige Ministerin, die als erste Hilfe für betroffene Lieferungen das Sonntagsfahrverbot für LKW ausgesetzt hat.
Daniela Schmitt (FDP), Verkehrsministerin Rheinland-Pfalz
„Es sind nicht nur die Schleusenkammern. Es ist auch die Schleuseninfrastruktur die Technik, die einfach auch mittlerweile 40, 50, 60 Jahre alt ist. Und deswegen brauchen wir hier unbedingt Erneuerung und Investitionen und deswegen ist es wichtig, dass das Geld vom Bund auch jetzt zukunftsweisend investiert wird und ich habe das klar auch letzte Woche Herrn Bundesminister Schnieder auch nochmal gesagt“
Der Bundesverkehrsminister  hatte sich  mit konkrete Versprechungen beim Vor-Ort-Besuch  zurückgehalten. Auch wenn der Schaden allein für das Tor wohl bei anderthalb Millionen Euro liegt, so schlimm wie in Müden ist die Lage in Sankt Aldegund nicht, das Tor noch nutzbar.
Tobias Schmidt, Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn
„Das Tor kann ja eigentlich nichts dafür, wenn ein Schiff dagegen fährt. Statistisch gesehen, ich bin jetzt 33 Jahre in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, viele Jahre an der Mosel auch, habe ich solche Toranfahrungen hier an der Mosel eigentlich noch nicht gehabt.“
Glück im Unglück: Ein neues Tor wurde schon vor dem Unfall bestellt. Ende September soll die Schleuse in Sankt Aldegund wieder in den Normalbetrieb gehen. Bis dahin brauchen die Binnenschiffer noch ein wenig Geduld.