Unterwegs mit der Autobahnpolizei Wiesbaden Teil 1
Wenn Menschen bei Verkehrsunfällen zu Schaden kommen, dann sind in den meisten Fällen ein zu geringer Abstand und eine zu hohe Geschwindigkeit die Haupt-Unfallursachen. Deshalb ist die hessische Polizei regelmäßig auf den Straßen unterwegs – auf der Jagd nach Dränglern und Rasern. Wir haben die Wiesbadener Autobahnpolizei einen Tag lang bei den Kontrollen begleitet.
9:30 Uhr auf der Wiesbadener Polizeiautobahnstation. Dienstbeginn für Manuel Breuer und Pascal Meireis. Die Autobahnen 3 und 66 sind ihr Arbeitsplatz. Mit dem zivilen Polizeifahrzeug heften sie sich an die Fersen von Verkehrssündern. Und der erste lässt auch nicht lange auf sich warten. Ein schwarzer Skoda fällt durch einen aggressiven Fahrstil auf.
„Aufnahme läuft. A3 in Fahrtrichtung Köln, Kilometer 137 aktuell. Jetzt fährt er drauf. 152 Tacho, 147, 48 GPS. Fahrzeug fährt dicht auf. Abstand deutlich unterschritten Fahrzeug beschleunigt weiter, schließt auf auf ein weiteres Fahrzeug auf der linken Spur. Abstand wird unterschritten.“
Und auch ein drittes Mal drängelt der Skoda.
„Fahrzeug fährt wieder sehr dicht auf. Das ist schon im Bereich eines 2/10-Verstoßes, sprich zwei Monate Fahrverbot. Aufnahme wird gestoppt.“
Der Fahrer wird rausgezogen.
„Guten Tag! Die Polizei mit einer Personen-Fahrzeug-Kontrolle. Vorneweg: Sie brauchen zum Verstoß keine Angaben machen. Nur zur Person. Das heißt, ich bräuchte von Ihnen bitte Führerschein, Fahrzeugschein und Ausweis.“ – „Geldbeutel hab ich verloren. Ich kann ihnen Personalien alles geben. Das ist kein Problem. Das ist auch alles bei der Polizei schon gemeldet.“
„Problem bei dem Herrn ist, dass er keinerlei Ausweisdokumente mit sich führt. Weder Führerschein, Fahrzeugschein und auch kein Personalausweis, kein Pass, nichts. Das heißt, Sie müssen irgendwie die Identität feststellen.“
Manuel Breuer erfragt per Funk die Personalien, Pascal Meireis bereitet das Video vor, das als Beweismittel für den Verstoß aufgezeichnet wird.
„Da können Sie mal schauen. Sie können jetzt mal anhand der Leitlinien und Lücken erahnen, wie viel Abstand Sie da haben. So eine Linie hat 6 Meter, eine Lücke zwölf. Sie haben eine Geschwindigkeit laut GPS von rund 130 km/h, sprich Sie bräuchten rund 65 Meter Abstand.“
Als Faustregel gilt: halber Tachowert als Abstand in Metern. Hier sind es deutlich weniger.
„Das wird sehr wahrscheinlich in den Bereich eines zweimonatigen Fahrverbots gehen.“ – „Oh Mann – ich bin noch in der Probezeit.“
Der junge Mann – gerade auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch – kann es kaum fassen.
Pascal Meireis, Autobahnpolizei Wiesbaden
„Als er das Video gesehen hat, war er natürlich geschockt. Ich glaube nicht, dass er zu Beginn damit gerechnet hat, welche Rechtsfolge hier droht. Er hat zwar keine Angaben gemacht, er hat aber auch jetzt nicht fortwährend irgendwas abgestritten, also gewisse Einsicht kann schon vorhanden sein.“
Und das soll auch so sein, denn mangelnder Abstand war im letzten Jahr die häufigste Ursache von Unfällen, bei denen Menschen verletzt wurden.
Pascal Meireis, Polizeioberkommissar
„Das Problem dabei ist, dass ich als Fahrzeugführer überhaupt keine Möglichkeit mehr habe in ner Gefahrensituation entsprechend zu reagieren und zu bremsen und somit einen Unfall zu vermeiden.“
Und so macht sich die Autobahnpolizei auf zur nächsten Kontrolle – zurück bleibt ein Autofahrer, der hoffentlich aus seinen Fehlern lernt.
Doch die hessische Polizei schnappt nicht nur Drängler und Raser. Auch Handysünder sind im Visier.
Manuel Breuer, Autobahnpolizei Wiesbaden
„Also man kann schon fast sagen, es ist fast unmöglich in unserem Dienstgebiet einmal hoch und runter zu fahren, ohne Handyverstoß.“
Der Beweis folgt prompt.
„Man sieht‘ im Spiegel: Fahrer hat das Handy, linke Hand am linken Ohr. Er telefoniert, spricht, Sprechbewegungen sind zu sehen.“
Auch dieser Autofahrer wird gestoppt.
„Kuckuck, wir sind’s!“
Manuel Breuer, Polizeihauptkomissar
„Das gefährliche daran ist halt das ich abgelenkt bin. Ich habe meistens eine Hand nicht, die ich ans Ohr halte, die ich nicht das Lenkrad nehmen kann, und bin halt abgelenkt und kann schlechter reagieren.“„So, wir haben Sie angehalten, weil wir gesehen haben, wie Sie ihr Mobiltelefon während der Fahrt benutzt haben.“ – „Hab ich diese Handy, wollte Handy nehmen, auf andere Seite.“ – „Wir haben ein Video von Ihnen gemacht, wie Sie mit Ihrem Telefon die linke Hand am linken Ohr halten und sprechen.“ – „Ich wollte nur von hier nach die Seite legen.“
Trotz des Videos leugnet der Mann, telefoniert zu haben.
„Er war der Meinung, er hätte das Telefon einfach nur von seinem Schoß von links nach rechts legen wollen. Aber auch selbst das wäre nicht erlaubt gewesen. In der Konsequenz muss er rechnen mit 100 €, einem Punkt und die Verwaltungsgebühr liegt bei 28,50 €, also ungefähr 130 Euro und einen Punkt.“


