Insektomania in Mainz

Wir finden sie eklig und nervig, manche übertragen sogar Krankheiten, aber oft ist uns gar nicht bewusst, was für faszinierende Geschöpfe Insekten eigentlich sind – wie schön bei genauerer Betrachtung und welche Superkräfte sie haben. Eine Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum in Mainz will genau das zeigen.

Hier gibt es nichts zu sehen, nur zwei dünne Äste. Das sollen wir zumindest denken. Die Tarnung des sogenannten wandelnden Astes ist nahezu perfekt. Hier sehen wir zwei Tiere, ein Weibchen, das größere, und ein Männchen, das dünnere. Auch beim Laufen achten sie darauf, nicht aufzufallen, wackeln wie ein Ast im Wind.
Nadine Schmidt, Museumspädagogin: 
Wir wollen den Besuchern zeigen, welche Vielfalt es eigentlich unter den Insekten gibt und das hier sind Meister der Tarnung, also die findet man eigentlich nicht, die muss man ganz gut suchen und manchmal gehe ich auch hin und sage den Besuchern, wie viele drin sind und dann merken sie, dass sie zwar ein, zwei gefunden haben, aber alle ist oft schwierig.“
Dieselbe Strategie fährt auch das wandelnde Blatt. Farbe und Struktur ahmen sie perfekt nach. Diese Tiere wollen ihr Leben auf die gegenteilige Weise schützen – auffallen, wie eine Wespe, und damit sagen: Friss mich nicht, ich bin giftig – auch wenn das gar nicht stimmt. Insekten sind Meister der Farben. Das schillernde Blau des Morphofalters entsteht nicht etwa durch Pigmente, sondern durch die Oberflächenstruktur seiner Flügel. Sie bricht das Licht so, dass der Schmetterling blau erscheint. Genauso beim Rosenkäfer. Insekten haben Eigenschaften, von denen wir nur träumen. Tausende Kilometer weit fliegen können oder eine hervorragende Rundumsicht.
Nadine Schmidt, Naturhistorisches Museum Mainz: 
Diese Stubenfliege, die nervt uns, wir schlagen sie tot, bevor wir sie uns mal genau angeguckt haben. Und am Ende stellen wir fest, dass die aber vielleicht besonders schöne Augen haben.“
Besonders an der Ausstellung sind die lebenden Insekten. Zum Beispiel die Madagaskar-Fauchschabe. Über das Geräusch kommunizieren sie.
Nadine Schmidt, Museumspädagogin: 
Das ist natürlich schon interessant, wenn man dann lebende Insekten hat, die mal zu beobachten, wie verhalten die sich, wie bewegen die sich. Wenn man sich mit denen beschäftigt, dann merkt man auch, dass sie eigene Charaktere haben und sehr unterschiedlich sein können.“
Überlebensstrategien, Superkräfte, Schönheit – Insekten aus einem neuem Blickwinkel. Insektomania bleibt bis November im Naturhistorischen Museum Mainz.