goEast Filmfestival in Wiesbaden
Das „goEast Filmfestival“ in Wiesbaden wird dieses Jahr 25! Seit 2001 richtet es ein Mal im Jahr den Blick nach Mittel- und Osteuropa. Dieses Jahr stehen ältere Frauen – sogenannte Babushkas – im Fokus. Auch beim Rhein-Main Kurzfilm-Wettbewerb.
„Gab es in der Sowjetunion etwas Gutes?“ – „Nichts. Alles war abgeriegelt und wir saßen hier hinter dem Zaun“.
Ludmila erzählt von früher. Geschichten aus der Sowjetunion und Georgien. Dort wird sie im Sommer von ihrer Enkelin und Regisseurin Loukia Hadjiyianni besucht. Die dreht spontan eine persönliche Kurzdokumentation über Großmütter und ihre verborgenen Geschichten.
„In Tblilisi gab es Stromausfälle, dann kommt der Strom zurück und die ganze Stadt schreit: ‚Die Lichter sind an, die Lichter sind an‘ und jeder eilt durch die Stadt.“
In „Ludmila’s Apple Pie“ kommen diese Geschichten ans Licht. Und damit die schwierigen Lebenswege älterer Frauen.
Loukia Hadjiyianni, Regisseurin „Ludmila’s Apple Pie“
„Osteuropäische Großmütter mussten in dieser Zeit zwei Kriege überleben, also meine Großmutter, in der Ukraine und dann in Georgien nach der russischen Besetzung. Und sie mussten das durchhalten und einen starken Charakter haben. Und was mir meine Großmutter sagt, scheint so unwirklich. Auf drei Kinder aufpassen und acht Stunden in der Schlange stehen, um Brot zu kaufen, und wieder acht Stunden für Milch. Und das einfach als normal zu akzeptieren durchzuhalten und ein so starker Mensch zu sein.“
Elena Murganova kommt aus St. Petersburg zu dem Festival. Für ihren Kurzfilm „I choose to go“ begleitet sie eine 84-Jährige, die sich öffentlich gegen den Angriffskrieg in der Ukraine positioniert und Gouverneurin der Stadt werden will. Trotz der Gefahr verhaftet zu werden.
„Sie bombardieren Kinder, kranke Kinder. Wie kann ich mich gut fühlen, wie? Sie jagen den Menschen Angst ein, die meisten Menschen wollen keinen Krieg. Aber es ist gefährlich, den Schritt zu gehen.“
Für die Regisseurin ist sie eine Heldin.
Elena Murganova, Regisseurin „I choose to go“
„Sie sagt sehr schön: ‚Ich glaube, dass so viele Menschen gegen das sind, was passiert ist. Aber ich weiß nicht, was gerade los ist mit den Menschen. Schlafen sie oder wo sind sie`?‘ Und ich fühle genauso und ich will wirklich, dass die Leute das sehen.“
Sie möchte den Zuschauern zeigen, dass es in Russland noch immer Menschen gibt, die versuchen etwas gegen den Krieg zu unternehmen. Auch wenn es gefährlich ist.
Nur zwei von vielen verschiedenen Perspektiven auf Babuschkas in Osteuropa. Für die Festivalleiterin Heleen Gerritsen ein Herzensanliegen, genau dieses Thema für das Jubiläum in den Fokus zu rücken. Denn ältere Frauen sind im Kino kaum zu sehen.
Heleen Gerritsen, Leiterin goEast Filmfestival
„Und wenn es sie schon gibt, dann sind es so die lieben, fürsorgenden, Süßigkeiten verteilenden Klischee-Omas und wir haben hier ein Filmprogramm, was wirklich wahnsinnig spannend ist, wo Großmütter auch mal ihre Sexualität ausleben dürfen, wo sie böse sind, Bösewichte spielen dürfen, und wirklich die ganze Bandbreite des Menschseins leben dürfen und das ist auf der Leinwand nicht selbstverständlich.“
Am Samstag kürt die Jury jedoch einen anderen Kurzfilm zum Gewinner des Wettbewerbs. Die Regisseurin von GRANDMAMAUNTSISTERCAT erhält den mit 2.500 Euro dotierten Preis. Für einen besonderen Blick auf Osteuropa und ihre Babuschkas.


