Steigende Sicherheitskosten belasten Fastnachtsvereine

Die Straßenfastnacht in den Fastnachtshochburgen unserer Region biegt langsam aber sicher in die heiße Phase ein, um dann bei den traditionellen Umzügen Anfang nächster Woche seinen Höhepunkt zu finden. Doch angesichts immer neuer, teurer Sicherheits-Auflagen kämpfen die Fastnachts-Vereine in diesem Jahr darum, dass die Umzüge überhaupt stattfinden können. Und manche konnten diesen Kampf nicht gewinnen.

Die letzte Wagenkontrolle vor der Straßenfastnacht. Die Karnevalisten vom Karnevalsclub Niederwalgern rollen seit mehr als 20 Jahren immer beim Marburger Umzug mit. Doch dieses Jahr werden die Räder still stehen. Nach dem letzten Treffen mit den Sicherheitsbehörden war klar: so wie man ihn kennt, wird es den Marburger Umzug in diesem Jahr nicht geben können. Denn die schrecklichen Anschläge in den letzten Monaten haben dazu geführt, dass gerade die Kosten für schwere Straßensperren in die Höhe schnellen.
Toni Ahlendorf, Zugmarschall Rosenmontagszug Marburg:
Der Umzug kostet um die 20.000 Euro in einem normalen Fall. Und dieses Jahr wären wir im sechsstelligen Bereich gewesen. Man kann es gar nicht genau beziffern, aber im sechsstelligen Bereich und das steht nicht mehr in der Relation dazu, was der Umzug einbringt. Deswegen haben wir diese Entscheidung getroffen.“
Auch im Frankfurter Stadtteil Heddernheim gab es in diesem Jahr mehr Sorgen- als Lachfalten in der Planung des traditionsreichen Umzugs, durch den sich das kleine Viertel im Frankfurter Nordosten Jahr für Jahr in „Klaa Paris“ verwandelt.
Ulrich Fergenbauer, Vorsitzender Zuggemeinschaft Klaa Paris:
Es war vorher so, dass die Zugstrecke abgesichert werden musste mit Fluchtwegen. Jetzt haben wir eine Sicherheitszone errichtet, also der gesamte Stadtteil ist zur Sicherheitszone erklärt worden und wir rundherum abgesichert. Wir können davon ausgehen, dass wir eine Verdopplung der Kosten haben werden in dem Bereich. Wir waren im letzten Jahr bei knapp unter 65.000 Euro nur für diese technischen Sperrsysteme und sind jetzt mit allem Drum und Dran in diesem Jahr bei etwa 138.000 Euro angekommen.“
Viele Besucher des Klaa-Pariser-Umzugs haben bereits im Vorfeld für den Zug gespendet und auch die Stadt Frankfurt hat angekündigt, die Heddernheimer finanziell unterstützen zu wollen. Auf Unterstützung für die Zukunft hoffen in Marburg auch Toni Ahlendorf und seine Mitstreiter. Für dieses Jahr haben sie ersatzweise ein Familienfest in der Innenstadt geplant. Der Umzug und der Straßenkarneval müssten als Kulturgut aber erhalten bleiben, findet der Zugmarschall.
Toni Ahlendorf, Zugmarschall Rosenmontagszug Marburg:
Weil jeder Bürger hat das Recht, auch mal ein bisschen den Alltag zu vergessen und auf der Straße mal ein bisschen feiern zu können. Das muss erhalten bleiben. Das ist ein alter Brauchtum.“
Zumindest in Frankfurt werden am Fastnachtsdienstag auch dieses Jahr wieder die Narren durch die gut abgesicherten Straßen ziehen. Angesichts der immer weiter steigenden Kosten muss man sich fragen: wie lange noch?