Demos für und gegen Israel in Kassel
„Es ist eine Schande“ – das sagt Hessens Innenminister Roman Poseck zu einer Demonstration, die heute an der Universität in Kassel stattfand. Den Veranstaltern gehe es um blanken Juden- und Israelhass, sie sprächen Israel das Existenzrecht ab. Den Innenminister sprechen wir gleich – zuvor sind wir an der Universität in Kassel, wo heute eine Pro-Palästinensische Demo stattgefunden hat.
Der Protest gegen Israels Vorgehen in Gaza, in Kassel ist er heute überwiegend friedlich. Allerdings skandiert ein Teilnehmer: „From the river to the sea.“ Gemeint ist, Palästina solle sich künftig vom Fluss bis zum Meer erstrecken. Das spräche Israel sein Existenzrecht ab.
Unruhe gab es schon im Vorfeld dieser Demonstration. Das Bündnis Yousef Shaban, dem vorgeworfen wird, an der Universität Kassel israelfeindliche Propaganda zu verbreiten, hatte mit dem Begriff „Intifada“ dazu aufgerufen.
„Intifada“ ist arabisch, bedeutet so viel wie „Aufstand“ und könne als Aufruf zu antisemitischen Angriffen verstanden werden, sagt Universitätspräsidentin Ute Clement.
Prof. Ute Clement, Präsidentin Universität Kassel
„Das ist inakzeptabel und die Hochschulleitung hat das auch öffentlich deutlich gemacht. Was uns gerade wirklich Sorgen macht, das ist die aktuelle Dynamik von Polarisierung und Eskalation. Sie reicht weit in die Gesellschaft hinein und erfasst Belegschaften, Nachbarschaften und soziale Medien.“
Die Universität mache schon seit einem Jahr über Banner auf dem Campus deutlich, in welchem Rahmen über den Nah-Ost-Konflikt diskutiert werden könne.
Prof. Ute Clement, Präsidentin Universität Kassel
„Einseitige Schuldzuweisungen in diesem jahrhundertealten Konflikt sind dabei ebenso ausgeschlossen wie jede Form von Antisemitismus oder Islamfeindlichkeit.“
Kundgebungen verbieten könne die Universität nicht, denn der Campus sei öffentliches Gelände.
Propalästinensische Propaganda führe dazu, dass sich Fehlinformationen und Hass gegen Israel vor allem in den Köpfen junger Menschen festigen, warnt der Antisemitismusbeauftrage des Landes Hessen.
Uwe Becker (CDU), Antisemitismusbeauftragter Hessen
„Gerade auch über das, was in den sozialen Medien, über Tiktok noch millionenfach geflutet wird, sich gerade bei jungen Menschen, die noch keine Meinung haben, die auch das Wissen über den Nahostkonflikt nicht vor Augen haben, noch so stark festigt, dass es fast schon Gang und Gebe ist, dass man über Apartheit spricht, dass man über Genozid spricht. Alles falsche Begriffe, alles propalästinensische und damit aber auch zum Teil antisemitische Propaganda.“


