Was wird aus dem Biblis-Gelände?

Vor 50 Jahren ging das Atomkraftwerk Biblis ans Netz – seiner Zeit das größte der Welt. Seit der Stilllegung 2011 wird es zurückgebaut. Und das wird wohl noch einige Jahre dauern. Doch wie soll es mit dem riesigen Gelände weitergehen? Mit einer heute unterzeichneten Kooperationsvereinbarung will man der Antwort auf diese Frage einen Schritt näherkommen.

 

Das ehemalige Atomkraftwerk Biblis. Seit über 13 Jahren wird das Areal nicht mehr wirtschaftlich genutzt. Rund 400 Arbeitsplätze und Steuereinnahmen in Millionenhöhe sind weggebrochen. Die südhessische Gemeinde Biblis setzt daher große Hoffnungen in die Entwicklung des Geländes – und auf einen Imagewandel:
Volker Scheib (parteilos), Bürgermeister Biblis
… dass wir praktisch nachhaltig regenerative Energien, dass wir gemeinschaftlich die Verantwortung übernehmen. Und natürlich auch, dass Betriebe sich ansiedeln, die tatsächlich breit aufgestellt sind auf diesem Markt, und zwar international.
Die Vision: Einen Standort schaffen für nachhaltige Zukunftstechnologien. Die Projektpartner: Die Kommune, Energieversorger und Eigentümer RWE, der Kreis Bergstraße und seine Wirtschaftsförderung. Der Zeithorizont: 10 Jahre. Was genau auf den rund 90 Hektar großen Flächen entstehen könnte, soll nun eine Machbarkeitsstudie zeigen.
Christian Engelhardt (CDU), Landrat Kreis Bergstraße
Letztendlich ist sehr viel vorstellbar, weil es ein ideal erschlossenes Gelände ist. Das heißt, dort ist alles vorhanden, was man braucht. Wasser, ein Hafen, Gleise, Straßen, Gas, Strom natürlich. Und es ist ein Industriegebiet. Das heißt, dort kann tatsächlich auch Industrie stattfinden, die an vielen Stellen so nicht mehr entstehen könnte in Hessen.
Entstehen könnten etwa Produktionsanlagen in den Bereichen Batterien, Halbleiter und erneuerbare Energien – festlegen möchte sich da heute niemand. RWE jedenfalls will Unternehmen Flächen zur Verfügung stellen, aber auch selbst am Standort investieren.
Ralf Stüwe, Leiter Rückbauanlage Biblis RWE Nuclear GmbH 
Das ist unser Geschäftsmodell, Kraftwerke zu bauen, zu betreiben und letzten Endes Strom an den Markt zu bringen. Und insofern ist es natürlich immer sinnvoll, zu gucken, wo sind schon Potenziale vorhanden, wo sind die Anbindungen gut.
RWE hat bereits ein Gaskraftwerk in Betrieb genommen, ein Darmstädter Unternehmen für Lasertechnologien will sich ansiedeln. Weitere Interessenten gibt es wohl auch schon. Die Entwicklung wird nun von den Ergebnissen der Studie, Bebauungsplänen und der ungeklärten Finanzierung abhängen.