Neues Heizkraftwerk bei Boehringer Ingelheim
Die Aussichten in der deutschen Wirtschaft sind auch dieses Jahr alles andere als rosig. Immer mehr Unternehmen sagen: Wir müssen Jobs ins Ausland verlagern. Beispiel der weltgrößte Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen. Ein Hauptgrund sind die hohen Energiekosten. Hinzu kommt eine weitere Herausforderung: Bis 2045 sollen in Deutschland keine CO2-Abgase mehr ausgestoßen werden, um den Klimawandel abzubremsen. Deutschlands größter Pharmakonzern Boehringer Ingelheim geht die Herausforderung an. Hier will man zeigen, dass bezahlbare Energiepreise, Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit unter einen Hut zu bringen sind: mit einem neuen Biomasse-Heizkraftwerk.
Hier findet keine Papstwahl statt, aber vielleicht die Energiewende bei Boehringer Ingelheim – denn der weiße Dampf raucht aus dem neuen Biomasse-Heizkraftwerk am Hauptsitz des Konzerns.
Boehringer will mit Altholz in eine neue Zeit, ohne fossile Brennstoffen.
Hendrik Sparla, Kraftwerks-Leiter
„Wir haben hier unser neues Biomasseheizkraftwerk. Um den Standort nachhaltig zu versorgen, unsern CO2-Fußabdruck zu verbessern und CO2 einzusparen. Wir können die CO2-Emissionen, bezogen auf 2019 um 50.000 Tonnen reduzieren.“
Was einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 70% entspricht….Mehr als 170 Millionen Euro hat sich der Konzern das Kraftwerk kosten lassen. Und das funktioniert so:
Das Biomasse-Heizkraftwerk verbrennt sogenanntes Altholz, etwa aus alten Paletten oder Möbeln.
Bei über 1000 Grad verbrennt das Altholz – die Hitze verdampft Wasser in Rohren.
Der entstehende Wasserdampf treibt eine Turbine an, die Strom erzeugt.
Gleichzeitig kann die entstehende Hitze zur Wärmeversorgung genutzt werden.
Während etwa Unternehmen wie die BASF unter hohen Energiepreisen leiden, liefert das Boehringer-Kraftwerk einen weiteren Vorteil für die Produktion in Ingelheim.
Hendrik Sparla, Kraftwerks-Leiter
„Wir haben unsere Autarkie erhöht. Früher hatten wir eine eigene Stromerzeugung von 30%; mit dem Kraftwerk können wir den Standort im Jahresmittel zu 80% durch unseren selbst erzeugten Strom versorgen.“
Womit man unabhängiger von hohen Strompreisen sei.
Weniger CO2, mehr Unabhängigkeit, also alles klasse mit Biomasse? Es gibt auch Kritik: Denn die Bäume, aus denen Altholz entsteht, haben über Photosynthese CO2 gebunden – über die Verbrennung wird es aber wieder freigesetzt.
Michaela Kruse, Naturschutzbund Deutschland (NABU)
„Der Gedanke ist ja, dass das CO2, das in dem Baum gebunden ist, ja auch zeitnah wieder in einem weiteren nachwachsendem Baum gespeichert wird, aber da geht es ja um einen Zeitraum von Jahrzehnten, bis dieses CO2 wieder gebunden ist. Das ist aber eine Zeit, die wir nicht haben, weil die Klimakrise findet jetzt statt, wir müssen die Emissionen jetzt senken und deshalb ist es wichtig, dass jedes Gramm CO2, das jetzt in einem Baum oder in einer Pflanze gebunden ist, auch dort bleibt und nicht in die Atmosphäre freizusetzen.“


