Ehemaliger Bischof von Trier soll Missbrauchs-Täter geschützt haben

Rheinland-Pfalz hat heute gebannt nach Trier geblickt, denn dort wurde am Vormittag ein Bericht zu sexuellem Kindesmissbrauch im Bistum Trier vorgestellt. Dabei geht es um Fälle, die in der Amtszeit des ehemaligen Trierer Bischofs Bernhard Stein vertuscht worden seien sollen. Der Vorwurf, der im Raum steht: Der frühere Trierer Bischof sei Teil des Systems gewesen.

Es sind erschütternde Zahlen, die heute in Trier vorgestellt werden. In der Amtszeit von Bischof Stein 1967 bis 1980 sollen über 300 Kinder von Klerikern sexuell missbraucht worden sein. Für den untersuchten Zeitraum konnte die Kommission 81 Beschuldigte ausmachen. Die Historiker legen nahe, dass 17 der Taten bereits damals bekannt waren und vertuscht worden sind.
Lutz Raphael, Studienleiter Missbrauchsstudie Trier
„Es wurde geheim gehalten. Es wurde darauf Wert gelegt, dass in der Gemeinde, wo man darüber redete, also tuschelte, da nicht mehr geredet wurde, weil dann natürlich dieser Priester versetzt wurde. Versetzungen ist das übliche Maß der Reaktion.“
Ein weiteres mildes Mittel, das auf sexuellen Missbrauch folgte, waren Exerzitien, also geistliche Übungen und Gebet. Statt die Kleriker anzuzeigen und ihrer Ämter zu entheben wurde bewusst auf schärfere Sanktionen verzichtet, um das Ansehen der Kirche nicht zu schädigen. In einem Fall war ein Priester sogar mehrfach des sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden. Und das Bistum wusste davon.
Lena Haase, Mitarbeiterin Missbrauchsstudie Trier
„Der betreffende Priester wurde nämlich zu Exerzitien verurteilt, dann versetzt und hatte im Zuge dessen dann die Möglichkeit, so muss man es fast sagen, mehr als zwanzig weitere Kinder und Jugendliche zu missbrauchen.“
Neben dem Führungskreis des Bistums soll auch der ehemalige Bischof Bernhard Stein eine zentrale Rolle bei der Vertuschung eingenommen haben.
Lutz Raphael, Studienleiter Missbrauchsstudie Trier
„Bei den 17 Fällen, die wir rekonstruieren konnten, war Stein in elf Fällen nachweislich beteiligt. Er hat diese schon geschilderte milde Umgangsweise der Bistumsleitung voll und ganz mitgetragen. Er hat sie vielleicht sogar auch im Fall – in einem Fall nachweisbar – gegenüber Bedenken – etwa seines Offizials – entsprechend beschlossen und durchgesetzt.“
Scharfe kirchenrechtliche Sanktionen, wie der Ausschluss aus dem Priesterstand, wurden nur gegen zwei Wiederholungstäter ausgesprochen. Mit den Betroffenen trat der ehemalige Bischof überhaupt nicht in Kontakt. Ein besonders dunkles Kapitel in der Geschichte des Bistums Trier.
Stephan Ackermann, Bischof von Trier
„Ich würde sagen, ich bin bedrückt. Denn natürlich das, was jetzt die Kommission systematisch, unabhängig dokumentiert hat, das hat sich ja in den letzten Jahren angedeutet. Wir sind ja über Jahre jetzt auch mit der Aufarbeitung individueller Fälle beschäftigt. Aber jetzt wird das noch einmal sehr deutlich und unabhängig dokumentiert. Und das ist auch schmerzlich, ich sage das ganz offen, weil das ja ein Stück auch der Bistumsgeschichte von der Seite der Betroffenen, wie auch der Verantwortlichen ist.“
Neben der kircheninternen Aufarbeitung dürfte nun auch wieder die Diskussionen um den nach Bischof Stein benannten Platz in der Trierer Innenstadt befeuert werden. Eine Umbenennung hatte der Trierer Stadtrat zuletzt abgelehnt, da man erst die Ergebnisse der Untersuchung abwarten wollte. Angesichts der gravierenden Vorwürfe dürfte der Bischof-Stein Platz nun aber bald Geschichte sein.